Longevity & Vorsorge – Welche Check-ups, Blutwerte und Untersuchungen wirklich sinnvoll sind

Was medizinische Früherkennung leisten kann – und warum mehr Diagnostik nicht automatisch mehr Gesundheit bedeutet

REDAKTIONELLER FOKUS
Leitprinzip: Gezielt statt maximal testen.
Der Beitrag unterscheidet konsequent zwischen etablierter Früherkennung, risikobasierter Zusatzdiagnostik und noch nicht ausreichend belegten Longevity-Tests.

Wer sich mit Longevity beschäftigt, stößt früher oder später auf eine erstaunlich lange Liste möglicher Untersuchungen.

Großes Blutbild. Hormone. Vitamine. Tumormarker. Lipoprotein(a). Herzultraschall. Gefäßchecks. Ganzkörper-MRT. Gentests. Tests auf das „biologische Alter“. [27] [28]

Manche Anbieter versprechen sogar eine Art medizinischen Rundumscan des Körpers.

Die Idee dahinter klingt zunächst überzeugend:

Je mehr wir messen, desto früher entdecken wir Probleme – und desto besser können wir Krankheiten verhindern.

Doch medizinische Vorsorge funktioniert nicht ganz so einfach.

Ein Test ist nicht allein deshalb sinnvoll, weil er technisch verfügbar ist oder einen messbaren Wert liefert.

Damit eine Untersuchung als Screening wirklich nützlich ist, sollte sie bei Menschen ohne entsprechende Beschwerden eine relevante Erkrankung oder ein wichtiges Risiko ausreichend zuverlässig erkennen. Vor allem sollte das frühere Erkennen anschließend zu einer Behandlung oder anderen Maßnahme führen können, die den gesundheitlichen Verlauf tatsächlich verbessert.

Denn Früherkennung besitzt nicht nur mögliche Vorteile.

Sie kann auch Fehlalarme, Zufallsbefunde, unnötige Folgeuntersuchungen und sogenannte Überdiagnosen auslösen – also die Entdeckung real vorhandener Veränderungen, die einem Menschen zu Lebzeiten niemals Beschwerden bereitet hätten.

Deshalb unterscheidet evidenzbasierte Medizin zwischen Untersuchungen, deren Nutzen für bestimmte Personengruppen ausreichend belegt ist, Tests, die bei bestimmten Risiken oder Beschwerden sinnvoll werden – und Verfahren, deren Nutzen als allgemeiner Gesundheitscheck bislang nicht nachgewiesen ist.

Der wichtigste Merksatz dieses Beitrags: Nicht jeder messbare Wert ist ein sinnvoller Screeningwert – und nicht jeder entdeckte Befund verbessert die Gesundheit.

Wenn du nur 60 Sekunden hast

  • Screening und Diagnostik sind nicht dasselbe. Beim Screening werden Menschen ohne entsprechende Beschwerden untersucht. Diagnostik erfolgt dagegen aufgrund eines konkreten Verdachts, eines Symptoms oder eines auffälligen Befundes.
  •  Gesetzlich Versicherte haben in Deutschland zwischen 18 und 34 Jahren einmal und ab 35 alle drei Jahre Anspruch auf den allgemeinen Gesundheits-Check-up. Ab 35 gehören unter anderem Blutdruck, Lipidprofil, Nüchternblutzucker und eine Urinuntersuchung dazu. Ein Screening auf Hepatitis B und C kann einmalig erfolgen. [1] [2]
  •  Für die Prävention sind etablierte Faktoren wie Blutdruck, LDL-Cholesterin, Blutzucker, Rauchen und körperliche Aktivität häufig wichtiger als große exotische Laborpanels.
  •  Eine Messung von Lipoprotein(a), kurz Lp(a), sollte nach der aktuellen europäischen Leitlinie mindestens einmal im Erwachsenenleben erwogen werden. [3]
  •  ApoB und dauerhaft erhöhtes hs-CRP können in ausgewählten Situationen zusätzliche Informationen zur Herz-Kreislauf-Risikoeinschätzung liefern. Sie gehören aber nicht automatisch in jedes Routine-Labor. [3] [5]
  •  Vitamin D, Testosteron, TSH oder Cortisol müssen bei gesunden Menschen ohne entsprechenden Anlass nicht automatisch regelmäßig bestimmt werden. [9] [10] [11] [12]
  •  Für verschiedene Krebserkrankungen gibt es in Deutschland definierte alters- und risikobezogene Früherkennungsangebote.
  •  Seit April 2026 können bestimmte starke aktive oder ehemalige Raucherinnen und Raucher zwischen 50 und 75 Jahren jährlich eine Niedrigdosis-CT zur Lungenkrebsfrüherkennung nutzen. [16]
  •  Ein Ganzkörper-MRT kann Erkrankungen und Zufallsbefunde entdecken. Ein routinemäßiges Ganzkörper-MRT aller beschwerdefreien Menschen ist aber bislang nicht als lebensverlängernde oder gesundheitsverbessernde Screeningstrategie belegt. [24]
  •  Tests auf das „biologische Alter“ sind wissenschaftlich interessant, aber derzeit keine etablierte medizinische Routinevorsorge. [27] [28]

Bei Vorsorge gilt deshalb: gezielt statt maximal.

1. Vorsorge, Früherkennung, Screening und Diagnostik – was ist der Unterschied?

Im Alltag werden diese Begriffe häufig miteinander vermischt.

Für diesen Beitrag ist die Unterscheidung entscheidend.

Prävention umfasst Maßnahmen, die Krankheiten möglichst verhindern oder ihr Risiko verringern sollen. Dazu gehören beispielsweise Nichtrauchen, Bewegung, Impfungen, Behandlung von Bluthochdruck oder die Senkung deutlich erhöhter LDL-Cholesterinwerte.

Früherkennung beziehungsweise Screening bedeutet dagegen: Menschen ohne entsprechende Beschwerden werden untersucht, um eine Erkrankung oder ein relevantes Risiko früher zu entdecken.

Diagnostik beginnt, wenn bereits ein konkreter Anlass besteht – zum Beispiel Beschwerden, ein auffälliger Laborwert, ein Tastbefund oder ein auffälliges Screening-Ergebnis.

Ein MRT des Gehirns kann bei bestimmten neurologischen Beschwerden beispielsweise sehr sinnvoll sein.

Daraus folgt aber nicht, dass jeder beschwerdefreie Mensch regelmäßig ein MRT benötigt.

Ein Test kann diagnostisch ausgesprochen wertvoll und als allgemeines Screening trotzdem ungeeignet sein.
Infografik: Screening oder Diagnostik?

2. Was gehört zum gesetzlichen Gesundheits-Check-up in Deutschland?

Deutschland verfügt bereits über einen strukturierten allgemeinen Gesundheits-Check-up.

Gesetzlich Versicherte können ihn zwischen 18 und 34 Jahren einmal in Anspruch nehmen. Ab dem 35. Geburtstag besteht der Anspruch alle drei Jahre. [1] [2]

Dabei geht es keineswegs nur um eine Blutabnahme.

Zur Untersuchung gehören unter anderem die medizinische Vorgeschichte, familiäre Risiken, körperliche Untersuchung, Blutdruck, Impfstatus und die Erfassung individueller Herz-Kreislauf- und Krebsrisiken. Anschließend erfolgt eine ärztliche Beratung auf Grundlage des persönlichen Risikoprofils. [1] [2]

Ab 35 werden grundsätzlich ein Lipidprofil und die Nüchternplasmaglukose bestimmt. [2]

Das Lipidprofil umfasst Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceride.

Zusätzlich wird der Urin mittels Teststreifen unter anderem auf Eiweiß, Glukose, rote und weiße Blutkörperchen sowie Nitrit untersucht. Ab 35 kann außerdem einmalig auf Hepatitis B und Hepatitis C getestet werden. [2]

Bei 18- bis 34-Jährigen werden die Laboruntersuchungen im Rahmen des Check-ups nur bei entsprechendem Risikoprofil vorgenommen.

Das zeigt bereits:

Ein evidenzorientierter Gesundheitscheck besteht nicht automatisch aus 50 oder 100 Laborwerten.

3. Warum Blutdruck häufig wichtiger ist als exotische Biomarker

Eine Blutdruckmanschette wirkt neben modernen Longevity-Tests wenig spektakulär.

Medizinisch ist sie ausgesprochen wichtig.

Bluthochdruck gehört zu den bedeutenden beeinflussbaren Risikofaktoren für Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenerkrankungen und weitere gesundheitliche Probleme.

Deshalb ist die Blutdruckmessung fester Bestandteil des deutschen Gesundheits-Check-ups. [1]

Dasselbe Grundprinzip gilt für klassische Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wie Rauchen, Blutfette, Diabetes, Adipositas, Bewegungsmangel, Alter und familiäre Belastung.

Moderne Risikobewertung betrachtet diese Faktoren gemeinsam.

Die europäische Kardiologie verwendet beispielsweise SCORE2 beziehungsweise SCORE2-OP, um bei scheinbar gesunden Erwachsenen das Herz-Kreislauf-Risiko abzuschätzen. SCORE2-OP ist für ältere Personen vorgesehen. [4]

Das ist häufig aussagekräftiger als die isolierte Frage:

„Ist dieser eine Laborwert optimal?“

4. Welche Blutfette sollte man kennen?

Das klassische Lipidprofil besteht aus vier Hauptwerten.

Gesamtcholesterin beschreibt die Gesamtmenge des im Blut transportierten Cholesterins. Allein lässt sich daraus das persönliche Risiko jedoch nur begrenzt ableiten.

LDL steht für Low-Density Lipoprotein. LDL-Partikel transportieren Cholesterin durch das Blut. Erhöhte LDL-Cholesterinwerte spielen eine ursächliche Rolle bei der Entstehung von Atherosklerose – also Ablagerungen und Veränderungen in den Arterienwänden. Die Senkung von LDL-Cholesterin ist deshalb ein zentraler Bestandteil der Vorbeugung und Behandlung atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankungen. [3] [5]

HDL bedeutet High-Density Lipoprotein. Niedrige HDL-Cholesterinwerte können Bestandteil eines ungünstigen Risikoprofils sein. Daraus folgt jedoch nicht, dass HDL therapeutisch einfach möglichst hoch angehoben werden sollte.

Triglyceride sind Fette im Blut. Erhöhte Werte treten unter anderem bei verschiedenen Stoffwechselstörungen auf. Sehr hohe Werte können außerdem das Risiko einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung erhöhen.

Für die allgemeine Basisbeurteilung ist das vollständige Lipidprofil deshalb ausgesprochen hilfreich.

5. Lipoprotein(a): Ein Wert, den man tatsächlich einmal kennen sollte?

Lipoprotein(a), kurz Lp(a), ist ein LDL-ähnliches Lipoprotein.

Seine Konzentration ist sehr stark genetisch bestimmt und verändert sich bei den meisten Menschen wesentlich weniger durch Lebensstil als beispielsweise LDL-Cholesterin.

Erhöhte Lp(a)-Werte sind mit einem erhöhten Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Aortenklappenstenose verbunden.

Die ESC/EAS-Leitlinienaktualisierung von 2025 empfiehlt deshalb, eine Lp(a)-Messung mindestens einmal im Erwachsenenleben zu erwägen – beispielsweise beim ersten oder nächsten Lipidprofil. [3]

Besonders hilfreich kann der Wert bei familiär gehäuften frühen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, familiärer Hypercholesterinämie oder einer Risikoeinschätzung nahe einer Therapieentscheidung sein.

Wichtig:

Ein hoher Lp(a)-Wert ist kein persönliches Schicksalsurteil.

Er ist ein zusätzlicher Risikofaktor und wird zusammen mit Blutdruck, LDL-Cholesterin, Rauchen, Diabetes und den übrigen Risikofaktoren betrachtet.

6. Braucht jeder ApoB, hs-CRP, Nüchterninsulin und Homocystein?

Nicht jeder zusätzliche Biomarker ist unnötig.

Aber auch nicht jeder muss routinemäßig bei jedem Menschen bestimmt werden.

ApoB

Apolipoprotein B, kurz ApoB, ist Bestandteil derjenigen Lipoproteinpartikel, die zur Entstehung von Atherosklerose beitragen können.

Die für Atherosklerose relevanten ApoB-haltigen Lipoproteinpartikel tragen jeweils ein ApoB-Molekül. Deshalb kann der Wert vereinfacht gesagt zusätzliche Informationen darüber liefern, wie viele solcher Partikel im Blut vorhanden sind.

Das kann besonders interessant sein, wenn LDL-Cholesterin und Partikelzahl nicht gut übereinstimmen – beispielsweise bei Diabetes, Adipositas oder erhöhten Triglyceriden.

ApoB kann dann die Risikoeinschätzung ergänzen.

Es bedeutet aber nicht, dass jeder gesunde Erwachsene sein ApoB regelmäßig messen lassen muss.

hs-CRP

hs-CRP steht für high-sensitivity C-reactive protein.

Dabei handelt es sich um eine besonders empfindliche Messung des Entzündungsmarkers CRP.

Die aktuelle europäische Leitlinie betrachtet ein dauerhaft beziehungsweise wiederholt erhöhtes hs-CRP über 2 mg/L als möglichen zusätzlichen Risikomodifikator für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. [3]

Das Wort „dauerhaft“ ist wichtig.

Denn CRP kann beispielsweise auch bei einer Infektion, Verletzung oder anderen akuten Entzündungen vorübergehend ansteigen.

hs-CRP ist deshalb kein allgemeiner „Longevity-Entzündungs-Score“.

Nüchterninsulin

Nüchterninsulin wird in der Longevity-Szene häufig als früher Marker einer Insulinresistenz beworben.

Für das etablierte Diabetes-Screening werden jedoch andere Untersuchungen verwendet.

Die aktuellen ADA-Standards von 2026 nennen Nüchternplasmaglukose, HbA1c und den Zwei-Stunden-Wert eines oralen Glukosetoleranztests als geeignete Screening- und Diagnoseverfahren. Eine Insulinmessung gehört nicht zu diesen Standardtests. [6]

Homocystein

Homocystein ist eine Aminosäure, deren erhöhte Konzentration mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht wurde.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Homocystein ein sinnvoller Routine-Screeningwert für die Allgemeinbevölkerung ist.

In randomisierten Studien senkten B-Vitamine zwar den Homocysteinspiegel. Für Herzinfarkte und Gesamtsterblichkeit zeigte sich dadurch aber kein Nutzen; für Schlaganfälle fand der Cochrane-Review einen kleinen Effekt. [7]

Das ist ein gutes Beispiel für einen wichtigen Grundsatz:

Ein Biomarker kann mit einem Risiko zusammenhängen, ohne dass seine routinemäßige Messung oder gezielte Senkung automatisch die Gesundheit verbessert.

7. Blutzucker: Nüchternzucker oder HbA1c?

Beim deutschen Check-up wird ab 35 die Nüchternplasmaglukose bestimmt. [2]

Daneben spielt der HbA1c-Wert eine wichtige Rolle.

HbA1c beschreibt vereinfacht, wie stark der rote Blutfarbstoff Hämoglobin mit Glukose verbunden ist. Dadurch gibt der Wert einen ungefähren Eindruck von der durchschnittlichen Blutzuckerbelastung der vergangenen zwei bis drei Monate, wobei die jüngere Vergangenheit etwas stärker ins Gewicht fällt.

Für Screening und Diagnose eines Diabetes eignen sich nach den ADA-Standards 2026 Nüchternplasmaglukose, HbA1c oder ein Zwei-Stunden-Wert nach einem 75-Gramm-Glukosetoleranztest. [6]

Welcher Test im Einzelfall am geeignetsten ist, hängt von der medizinischen Situation ab.

Deshalb gilt auch hier nicht:

„Jeder braucht jedes Jahr alle drei Tests.“

8. Großes Blutbild, Leber- und Nierenwerte – gehören sie jedes Jahr dazu?

Ein großes Blutbild, Leberwerte, Elektrolyte und Nierenwerte können medizinisch ausgesprochen wichtig sein.

Aber die sinnvolle Häufigkeit hängt vom jeweiligen Menschen ab.

Eine Bestimmung kann beispielsweise angezeigt sein bei Beschwerden, bekannten Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder auffälligen Vorbefunden.

Bei den Nieren ist die Unterscheidung besonders wichtig.

Menschen mit erhöhtem Risiko für eine chronische Nierenerkrankung – insbesondere bei Diabetes, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – sollten nach der aktuellen KDIGO-Leitlinie gezielt auf Nierenschäden untersucht werden. Dazu gehören die Abschätzung der Nierenfilterleistung, meist über eGFR, und die Messung der Albuminausscheidung im Urin. [8]

Das ist etwas anderes als die Forderung:

„Jeder gesunde Mensch braucht jedes Jahr ein riesiges Nieren-, Leber- und Blutbild-Panel.“

Der sinnvollere Grundsatz lautet:

Nicht möglichst viele Werte bestimmen – sondern diejenigen, aus denen eine medizinische Konsequenz entstehen kann.

9. Vitamin D, Schilddrüse, Testosteron und Cortisol – jedes Jahr kontrollieren?

Diese Werte gehören zu den beliebtesten Bestandteilen kommerzieller Gesundheitschecks.

Für ein allgemeines routinemäßiges Screening aller beschwerdefreien Menschen fehlt jedoch die Grundlage.

Vitamin D

Vitamin D ist physiologisch wichtig.

Das bedeutet aber nicht, dass jeder gesunde Mensch regelmäßig seinen 25-OH-Vitamin-D-Spiegel bestimmen lassen muss.

Die Endocrine Society empfiehlt in ihrer aktuellen Leitlinie bei gesunden Erwachsenen ohne besondere medizinische Indikation gegen ein routinemäßiges Vitamin-D-Screening. Auch bei Menschen ab 75 Jahren empfiehlt die Leitlinie nicht automatisch eine routinemäßige Messung des 25-OH-Vitamin-D-Spiegels. [9]

Schilddrüse

TSH ist der wichtigste erste Laborwert zur Beurteilung der Schilddrüsenfunktion.

Die deutsche DEGAM-Leitlinie empfiehlt jedoch kein routinemäßiges TSH-Screening asymptomatischer Erwachsener. [10]

Bestehen Beschwerden, Vorerkrankungen oder andere konkrete Risiken, kann eine Schilddrüsendiagnostik selbstverständlich sinnvoll sein.

Testosteron

Testosteron sollte nicht als allgemeiner „Anti-Aging-Wert“ verstanden werden.

Die Endocrine Society hat 2026 erneut klargestellt: Für die Diagnose eines Testosteronmangels braucht es passende Beschwerden oder Zeichen und wiederholt eindeutig niedrige, korrekt gemessene Testosteronwerte. [11]

Ein allgemeines Screening symptomfreier Männer wird nicht empfohlen.

Cortisol

Cortisol ist ein lebenswichtiges Hormon und ein wichtiger Bestandteil der Stressreaktion.

Ein zufälliger Cortisolwert im Blut ist aber kein allgemeines Maß dafür, wie gestresst ein Mensch ist.

Selbst wenn medizinisch ein krankhafter Cortisolüberschuss vermutet wird, werden spezielle Untersuchungsverfahren eingesetzt. Die Endocrine Society empfiehlt ausdrücklich gegen ein breites Screening auf Cushing-Syndrom außerhalb klar definierter Risikokonstellationen und gegen zufällige Serum-Cortisolmessungen als entsprechenden Test. [12]

Damit schließt sich der Kreis zu Teil 3:

Stress lässt sich nicht auf einen einzelnen Cortisolwert reduzieren.

Infografik: Welche Blutwerte gehören wohin?

10. Krebsfrüherkennung: Nicht alles testen, sondern das Richtige

Deutschland besitzt definierte Früherkennungsprogramme.

Stand 6. September 2026 gehören dazu unter anderem das Zervixkarzinom-Screening, Hautkrebs-Screening, Mammographie-Screening, Darmkrebs-Screening, die gesetzliche Männer-Krebsfrüherkennung und seit April 2026 das risikobasierte Lungenkrebs-Screening. [13]

Für Frauen von 20 bis 34 Jahren wird jährlich eine zytologische Untersuchung des Gebärmutterhalses angeboten. Ab 35 erfolgt alle drei Jahre eine Kombination aus HPV-Test und Zytologie. [18]

Das Hautkrebs-Screening steht gesetzlich Versicherten ab 35 alle zwei Jahre zur Verfügung. [13]

Das Mammographie-Screening wird derzeit Frauen zwischen 50 und 75 Jahren alle zwei Jahre angeboten. [17]

Beim Darmkrebs können Frauen und Männer ab 50 zwischen einem Stuhltest alle zwei Jahre und maximal zwei Früherkennungs-Koloskopien im Abstand von mindestens zehn Jahren wählen. [14]

Dabei ist ein Punkt besonders wichtig:

Dass eine Untersuchung gesetzlich angeboten wird, bedeutet nicht automatisch, dass jede einzelne Methode denselben wissenschaftlichen Nutzen besitzt.

Beim Prostatakrebs wird das besonders deutlich.

11. Darmkrebs: Früherkennung und teilweise echte Prävention

Seit April 2025 gelten für Frauen und Männer bei der Darmkrebs-Früherkennung dieselben Altersgrenzen. [14]

Ab 50 können sie zwischen einem Stuhltest alle zwei Jahre und bis zu zwei Koloskopien im Abstand von zehn Jahren wählen.

Eine Koloskopie kann nicht nur vorhandenen Darmkrebs entdecken.

Dabei können auch bestimmte Krebsvorstufen – sogenannte Adenome – erkannt und entfernt werden, bevor daraus möglicherweise Krebs entsteht.

Damit besitzt die Untersuchung neben der Früherkennung auch einen präventiven Aspekt.

Aktuell ist außerdem wichtig:

Der G-BA entschied im August 2026, das organisierte Darmkrebs-Screening nicht generell auf Personen unter 50 mit familiärem Risiko auszuweiten, weil dafür keine ausreichend belastbare Studiengrundlage vorlag. [15]

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Menschen mit besonderer familiärer oder genetischer Belastung vor dem 50. Geburtstag niemals untersucht werden sollten.

Bei einer individuellen Hochrisikosituation kann eine frühere medizinische Überwachung sehr wohl angezeigt sein.

Organisiertes Bevölkerungsscreening und individuelle Risikovorsorge sind nicht dasselbe.

12. Lungenkrebs: Das neue Screening seit April 2026

Seit April 2026 gibt es in Deutschland erstmals eine gesetzliche Lungenkrebs-Früherkennung mittels Niedrigdosis-Computertomografie, kurz Niedrigdosis-CT. [16]

Das Angebot richtet sich bewusst nicht an die Allgemeinbevölkerung.

Teilnehmen können gesetzlich versicherte Personen zwischen 50 und 75 Jahren mit starkem Zigarettenkonsum: mindestens 25 Jahre Rauchdauer und mindestens 15 Packungsjahre. Das Rauchen muss noch andauern oder vor weniger als zehn Jahren beendet worden sein. [16]

Ein Packungsjahr entspricht beispielsweise 20 Zigaretten pro Tag über ein Jahr.

Die Untersuchung kann jährlich erfolgen.

Das ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie evidenzbasiertes Screening funktioniert:

Nicht jeder erhält einen CT-Scan. Untersucht wird eine Gruppe mit ausreichend hohem Ausgangsrisiko, bei der der erwartete Nutzen die möglichen Schäden rechtfertigt.

13. Mammographie und Gebärmutterhalskrebs – Stand September 2026

Beim Mammographie-Screening können Frauen zwischen 50 und 75 Jahren derzeit alle zwei Jahre teilnehmen. [17]

Eine Absenkung der unteren Altersgrenze auf 45 Jahre wird aktuell beraten.

Der G-BA plant seine Entscheidung für Oktober 2026. Stand 6. September 2026 ist die Altersgruppe 45 bis 49 also noch nicht Teil des regulären Programms. [17]

Beim Gebärmutterhalskrebs gilt weiterhin:

Frauen von 20 bis 34 Jahren können jährlich einen Pap-Abstrich durchführen lassen. Ab 35 wird alle drei Jahre eine Kombination aus HPV-Test und zytologischer Untersuchung angeboten. [18]

Auch hier zeigt sich:

Screeningprogramme legen Zielgruppe, Methode und Intervall bewusst fest.

Mehr oder häufiger ist nicht automatisch besser.

Infografik: Vorsorge in Deutschland 2026

14. Prostatakrebs und PSA – eines der schwierigsten Screeningthemen

Gesetzlich versicherte Männer haben ab 45 jährlich Anspruch auf die gesetzliche Krebsfrüherkennungsuntersuchung, zu der auch das Abtasten der Prostata gehört. [13]

Das bedeutet aber nicht, dass diese Methode besonders zuverlässig ist.

Gesundheitsinformation.de weist darauf hin, dass frühe Prostatakarzinome beim Abtasten häufig nicht erkannt werden und medizinische Fachgesellschaften die Tastuntersuchung allein nicht mehr als geeignete Früherkennung empfehlen. [20]

Der PSA-Test ist wesentlich besser untersucht.

Langzeitstudien zeigen, dass PSA-basierte Früherkennung die prostatakrebsspezifische Sterblichkeit und das Risiko metastasierter Erkrankungen etwas senken kann. [20]

Diesen Vorteilen stehen jedoch zahlreiche Fehlalarme und vor allem Überdiagnosen gegenüber. Gesundheitsinformation.de schätzt auf Grundlage langfristiger Studiendaten, dass unter 1.000 Männern im Alter von etwa 55 bis 69 Jahren nach 16 Jahren Screening ungefähr drei vor Metastasen beziehungsweise einem Tod durch Prostatakrebs bewahrt werden, während bis zu 60 eine Überdiagnose erhalten können. [20]

Deshalb geht die Entwicklung weg von einem einfachen Schema wie:

„PSA erhöht → sofort Biopsie.“

Heute wird stärker risikoadaptiert vorgegangen. Ein auffälliger PSA-Wert wird beispielsweise zunächst kontrolliert, weitere Risikofaktoren werden berücksichtigt und vor einer Biopsie kann ein MRT der Prostata eingesetzt werden.

Genau ein solches risikoadaptiertes PSA-/MRT-Screening bewertet das IQWiG derzeit im Auftrag des G-BA.

Der IQWiG-Vorbericht vom Juni 2026 macht die derzeitige Unsicherheit deutlich: Für ein sequenzielles PSA-/MRT-Screening liegen bislang noch keine langfristigen Daten zur Gesamtmortalität, prostatakrebsspezifischen Mortalität und zu Überdiagnosen vor. Der Abschlussbericht wird im vierten Quartal 2026 erwartet. [21]

Die derzeit wissenschaftlich sauberste Aussage lautet deshalb:

PSA ist weder ein wertloser Test noch ein einfacher Routinewert für jeden Mann. Die Entscheidung zur Früherkennung sollte nach einer verständlichen Nutzen-Schaden-Aufklärung erfolgen.

15. Tumormarker im Blut – ein einfacher Krebs-Check?

CEA, CA 19-9, CA 125, CA 15-3 oder AFP wirken auf den ersten Blick wie ein bequemes Frühwarnsystem.

So funktionieren Tumormarker jedoch nicht.

Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums stellt klar, dass Tumormarker als alleinige Untersuchung grundsätzlich nicht für die allgemeine Krebsfrüherkennung gesunder Menschen geeignet sind. [22]

Ein Wert kann aus vielen anderen Gründen erhöht sein.

Gleichzeitig können Menschen Krebs haben, obwohl ein entsprechender Tumormarker nicht erhöht ist.

Tumormarker können in der Onkologie trotzdem sehr wertvoll sein – beispielsweise zur Verlaufskontrolle bestimmter Erkrankungen oder bei konkreten Fragestellungen.

Aber daraus folgt nicht:

„Je mehr Tumormarker ich bestimmen lasse, desto sicherer bin ich vor Krebs.“

16. EKG, Herzultraschall und Gefäßchecks – sinnvoll für jeden?

Ein EKG, ein Herzultraschall oder weitere kardiologische Untersuchungen können bei entsprechenden Beschwerden und Erkrankungen ausgesprochen wichtig sein.

Die Frage beim Screening lautet jedoch:

Profitieren beschwerdefreie Menschen davon, wenn solche Untersuchungen ohne besonderen Anlass regelmäßig durchgeführt werden?

Für Menschen mit niedrigem Herz-Kreislauf-Risiko empfiehlt die US Preventive Services Task Force beispielsweise gegen ein routinemäßiges Ruhe- oder Belastungs-EKG zur Vorbeugung kardiovaskulärer Ereignisse. Für Menschen mit höherem Risiko reicht die Evidenz für eine allgemeine Empfehlung nicht aus. [23]

Bei bestimmten Menschen kann dagegen ein Koronarkalk-Score zusätzliche Informationen liefern.

Dabei wird mittels CT gemessen, wie viel verkalkte Atherosklerose in den Herzkranzgefäßen nachweisbar ist.

Die europäische Lipidleitlinie betrachtet einen erhöhten Koronarkalk-Score oder andere bildgebend nachgewiesene subklinische Atherosklerose als möglichen Risikomodifikator, vor allem wenn eine Person nahe an einer Therapieentscheidung liegt. [3]

Das ist etwas anderes als:

„Jeder sollte regelmäßig seine Herzkranzgefäße scannen lassen.“

17. Ganzkörper-MRT: Je früher wir alles sehen, desto besser?

Ganzkörper-MRT gehört zu den prominentesten Angeboten moderner Longevity-Zentren.

Ein Vorteil der Magnetresonanztomografie ist, dass sie ohne ionisierende Röntgenstrahlung arbeitet.

Trotzdem ist entscheidend:

Verbessert ein Ganzkörper-MRT bei beschwerdefreien Menschen tatsächlich langfristige Gesundheitsergebnisse?

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse untersuchte zehn Studien mit insgesamt 9.024 asymptomatischen Personen. [24]

Die zusammengefasste Rate bestätigter Krebsdiagnosen betrug ungefähr 1,57 Prozent.

Die Autoren betonen jedoch zugleich häufige Zufallsbefunde, uneinheitliche Untersuchungsprotokolle, fehlende Langzeitdaten und fehlende belastbare Kosten-Nutzen-Daten.

Das Problem ist leicht verständlich:

Ein Ganzkörper-MRT findet häufig irgendetwas.

Eine Zyste. Einen kleinen Knoten. Eine anatomische Besonderheit. Eine unklare Struktur.

Manches davon ist medizinisch bedeutsam.

Vieles ist harmlos oder zunächst unklar.

Dadurch können weitere MRTs, CTs, Ultraschalluntersuchungen oder Biopsien notwendig werden.

Deshalb lässt sich nach heutigem Stand nicht behaupten:

„Regelmäßige Ganzkörper-MRTs verlängern bei gesunden Menschen das Leben.“

18. Überdiagnose und Fehlalarm – warum Früherkennung auch Nachteile haben kann

Überdiagnose bedeutet nicht Fehldiagnose.

Bei einer Überdiagnose ist die entdeckte Veränderung tatsächlich vorhanden.

Sie hätte dem Menschen jedoch während seines Lebens niemals Beschwerden verursacht oder seine Lebenszeit verkürzt.

Das ist bei bestimmten Formen der Krebsfrüherkennung besonders relevant.

Trotzdem kann eine solche Diagnose Angst erzeugen, weitere Untersuchungen auslösen oder sogar zu einer Behandlung führen, von der der Betroffene niemals profitiert hätte.

Ein falsch-positiver Befund ist etwas anderes.

Hier zeigt ein Test eine mögliche Erkrankung an, obwohl sie tatsächlich nicht vorliegt.

Beides gehört zu den Gründen, warum seriöse Früherkennung immer eine Nutzen-Schaden-Abwägung benötigt. [25]

Infografik: Mehr testen kann auch mehr Folgen bedeuten

19. Gentests: Wann kann genetische Diagnostik sinnvoll sein?

Genetische Diagnostik kann medizinisch enorm wertvoll sein. [26]

Das gilt beispielsweise, wenn bestimmte Erkrankungen auffällig häufig in einer Familie vorkommen, sehr früh auftreten oder der Verdacht auf ein erbliches Krankheitssyndrom besteht.

Dann kann eine gezielte genetische Untersuchung – häufig verbunden mit humangenetischer Beratung – konkrete Auswirkungen auf Vorsorge und Behandlung haben.

Davon unterscheiden sich kommerzielle Tests, die gesunden Menschen ohne konkrete Fragestellung große Mengen genetischer Risikodaten liefern.

Das entscheidende Prinzip lautet:

Vor einem Gentest sollte möglichst klar sein, welche Frage beantwortet werden soll – und was sich durch das Ergebnis medizinisch verändern würde.

20. Biologisches Alter und epigenetische Uhren

„Ich bin 60 Jahre alt – aber mein Körper ist erst 52.“

Diese Vorstellung gehört inzwischen fest zur Longevity-Welt.

Sogenannte epigenetische Uhren untersuchen unter anderem bestimmte chemische Veränderungen an der DNA, sogenannte DNA-Methylierungsmuster.

Mit statistischen und maschinellen Lernverfahren wird daraus ein Maß für Alter beziehungsweise Alterungsprozesse berechnet.

In großen Gruppen sind solche Marker wissenschaftlich ausgesprochen interessant.

Einige stehen beispielsweise mit Erkrankungen und Sterblichkeit in Verbindung.

Aber:

Ein Biomarker, der in großen Bevölkerungsstudien funktioniert, muss noch lange kein verlässlicher medizinischer Test für eine einzelne Person sein.

Eine Analyse von 2025 kommt zu dem Schluss, dass derzeit technische und biologische Eigenschaften epigenetischer Uhren ihre Nutzung für individuelle klinische Entscheidungen stark begrenzen. [27]

Auch eine aktuelle Übersicht in Nature Medicine von 2026 beschreibt großes wissenschaftliches Potenzial, aber weiterhin wesentliche Herausforderungen für die klinische Anwendung biologischer Alterungsuhren. [28]

Deshalb gilt:

Biologisches Alter ist derzeit ein spannendes Forschungsfeld – aber keine etablierte Alternative zu Blutdruck, LDL-Cholesterin, Glukosestoffwechsel oder evidenzbasierten Screeningprogrammen.

21. Können zu viele Gesundheitschecks sogar schaden?

Das klingt zunächst widersprüchlich.

Doch mehr Diagnostik bedeutet nicht automatisch bessere Gesundheit.

Ein großer Cochrane-Review untersuchte allgemeine Gesundheitschecks bei Erwachsenen. [29]

17 randomisierte Studien wurden eingeschlossen; 15 berichteten Ergebnisse zu insgesamt 251.891 Menschen. [29]

Die Einladung zu allgemeinen Gesundheitschecks hatte wenig oder keinen Effekt auf die Gesamtsterblichkeit oder die Krebssterblichkeit; auch auf die kardiovaskuläre Sterblichkeit zeigte sich wahrscheinlich wenig oder kein Effekt.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Blutdruckmessung, Impfungen, Darmkrebs-Früherkennung oder andere gezielte Vorsorgemaßnahmen nutzlos sind.

Der Review untersuchte breit angelegte allgemeine Mehrfach-Checks als Gesamtstrategie.

Die Lektion ist deshalb eine andere:

Mehr Untersuchungen bedeuten nicht automatisch bessere Gesundheitsergebnisse.

22. Wie könnte ein sinnvoller persönlicher Vorsorgeplan aussehen?

Statt eines festen „Longevity-Panels für alle“ ist ein risikobasiertes Vorgehen sinnvoller.

Die Basis bilden klassische Risiken: Blutdruck, Rauchstatus, Bewegung, Gewicht beziehungsweise bei Bedarf Taillenumfang, Lipidprofil, Glukosestoffwechsel, Impfstatus und Familiengeschichte.

Danach kommen die etablierten alters- und risikobezogenen Früherkennungsprogramme, beispielsweise für Darmkrebs, Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Hautkrebs oder – bei entsprechender Rauchhistorie – Lungenkrebs.

Männer ab 65 haben außerdem einmalig Anspruch auf ein Ultraschall-Screening der Bauchaorta, um ein Bauchaortenaneurysma zu erkennen. [19]

Anschließend können je nach individuellem Risiko zusätzliche Marker sinnvoll werden – beispielsweise Lp(a), ApoB, hs-CRP, HbA1c oder bei erhöhtem Nierenrisiko eGFR und Albumin im Urin.

EKG, Echokardiografie, CT, MRT, Hormon- oder genetische Diagnostik gehören dagegen in der Regel zu einer gezielten medizinischen Fragestellung.

Und schließlich gibt es Verfahren wie epigenetische Altersuhren oder große Multi-omics-Panels, die wissenschaftlich interessant sind, derzeit aber nicht mit etablierter medizinischer Vorsorge gleichgesetzt werden sollten.

Die zentrale Frage lautet immer: Was würde ich aufgrund dieses Ergebnisses sinnvoll anders machen?

Drei Longevity-Mythen im Faktencheck

Mythos 1: „Je mehr Blutwerte ich kenne, desto besser ist meine Vorsorge.“

Nein.

Mehr Laborwerte erzeugen mehr Informationen, aber nicht automatisch bessere Entscheidungen.

Außerdem besitzt jeder Laborwert einen Referenzbereich. Selbst bei völlig gesunden Menschen können einzelne Werte außerhalb dieses Bereichs liegen.

Je mehr Tests ohne konkrete Fragestellung durchgeführt werden, desto wahrscheinlicher wird deshalb mindestens ein auffälliges Ergebnis, das weitere Untersuchungen auslöst.

Die wichtigere Frage lautet:

Hat dieser Test eine klare Fragestellung – und würde sein Ergebnis mein medizinisches Vorgehen sinnvoll verändern?

Mythos 2: „Ein Ganzkörper-MRT ist die gründlichste und damit beste Vorsorge.“

Nicht belegt.

Ganzkörper-MRT kann relevante Erkrankungen entdecken.

Es produziert aber auch Zufallsbefunde und Folgeuntersuchungen. Für ein routinemäßiges Screening aller beschwerdefreien Menschen fehlen weiterhin Langzeitdaten, die einen gesundheitlichen Gesamtnutzen belegen.

Mythos 3: „Tumormarker zeigen mir, ob ich Krebs habe.“

Nein.

Tumormarker können bei Menschen ohne Krebs erhöht und bei Menschen mit Krebs normal sein.

Sie sind deshalb als allgemeiner Krebs-Bluttest für gesunde Menschen ungeeignet.

Häufige Fragen

Braucht jeder gesunde Mensch einmal jährlich ein großes Blutbild?

Nein.

Ein Blutbild kann bei vielen medizinischen Fragestellungen sehr wichtig sein.

Es gibt aber keine allgemeine evidenzbasierte Regel, nach der jeder beschwerdefreie Erwachsene jedes Jahr ein großes Blutbild benötigt.

Sollte ich meinen Lp(a)-Wert kennen?

Eine einmalige Messung im Erwachsenenleben sollte nach der aktuellen europäischen Leitlinie erwogen werden. [3]

Da der Wert überwiegend genetisch geprägt ist, muss er unter stabilen Bedingungen normalerweise nicht ständig wiederholt werden.

Sollte jeder ApoB bestimmen lassen?

Nein.

ApoB kann in bestimmten Situationen zusätzliche Informationen liefern – beispielsweise bei Diabetes, Adipositas oder erhöhten Triglyceriden.

Es ist aber kein zwingender jährlicher Routinewert für jeden Menschen.

Muss ich jedes Jahr Vitamin D messen lassen?

Für gesunde Erwachsene ohne besondere medizinische Indikation empfiehlt die Endocrine Society kein routinemäßiges Vitamin-D-Screening. [9]

Sollte jeder Mann seinen Testosteronwert kennen?

Nein.

Die Untersuchung sollte sich an Beschwerden und klinischen Zeichen orientieren. Für eine Diagnose müssen entsprechend niedrige Werte zudem korrekt und wiederholt bestätigt werden. [11]

Was ist mit einem jährlichen EKG?

Bei Beschwerden oder bestimmten Erkrankungen kann ein EKG ausgesprochen wichtig sein.

Ein jährliches Screening aller beschwerdefreien Menschen ist jedoch keine allgemein belegte Longevity-Maßnahme. [23]

Sollte ich als gesunder Mensch ein Ganzkörper-MRT machen lassen?

Nach der derzeitigen Evidenz lässt sich dafür keine allgemeine Empfehlung aussprechen.

Es können relevante Erkrankungen entdeckt werden, aber auch zahlreiche Zufallsbefunde. Ein langfristiger gesundheitlicher Nutzen eines allgemeinen Ganzkörper-MRT-Screenings ist bislang nicht ausreichend belegt. [24]

Infografik: Der evidenzbasierte Vorsorge-Kompass

Marschhelfer-Fazit

In den ersten vier Teilen dieser Serie ging es um Bewegung, Ernährung, Regeneration sowie geistige und soziale Gesundheit.

Teil 5 führt diese Bereiche zusammen.

Denn gute Vorsorge beginnt nicht mit dem teuersten Scan.

Sie beginnt mit einer wesentlich einfacheren Frage:

Welche Risiken habe ich tatsächlich?

Wie ist mein Blutdruck?

Wie sehen meine Blutfette aus?

Wie steht es um meinen Glukosestoffwechsel?

Rauche ich?

Welche Erkrankungen kommen in meiner Familie vor?

Welche Früherkennungsprogramme passen zu meinem Alter, Geschlecht und persönlichen Risiko?

Und was würde ich aufgrund eines zusätzlichen Untersuchungsergebnisses tatsächlich anders machen?

Genau deshalb kann ein LDL-Wert medizinisch wertvoller sein als ein kommerzieller epigenetischer Alters-Score.

Eine Blutdruckmessung kann wichtiger sein als ein Ganzkörper-MRT.

Und die Teilnahme an einer passenden Darmkrebs-Früherkennung kann gesundheitlich bedeutsamer sein als ein Laborpanel mit 100 Parametern.

Das ist weniger spektakulär als manche Angebote der Longevity-Industrie.

Aber der Grundgedanke evidenzbasierter Medizin ist gerade deshalb so wichtig:

Nicht möglichst viel untersuchen – sondern möglichst sinnvoll untersuchen.

Longevity bedeutet nicht, jeden messbaren Wert zu optimieren.

Es bedeutet, beeinflussbare Risiken zu erkennen, nachweislich sinnvolle Prävention und Früherkennung zu nutzen und Diagnostik dort einzusetzen, wo sie tatsächlich einen Unterschied machen kann.

Damit schließt sich der Kreis dieser Serie:

Bewegen. Gut versorgen. Regenerieren. Sozial und geistig aktiv bleiben. Risiken gezielt erkennen und behandeln.

Keine einzelne dieser Maßnahmen garantiert ein langes Leben.

Zusammen bilden sie aber einen wesentlich belastbareren Ansatz für gesundes Altern als die Suche nach dem nächsten Longevity-Hack.

Evidenztransparenz: Was wissen wir wie sicher?

Gut etabliert: Blutdruckmessung und klassische Herz-Kreislauf-Risikofaktoren gehören zur medizinischen Prävention. Lipidprofil und Nüchternplasmaglukose sind Bestandteile des deutschen Check-ups ab 35. Für verschiedene Krebsarten und Risikogruppen gibt es strukturierte Früherkennungsprogramme. [1] [2] [13]

Leitliniengestützt, aber situationsabhängig: Eine Lp(a)-Messung mindestens einmal im Erwachsenenleben sollte erwogen werden. ApoB und dauerhaft erhöhtes hs-CRP können in bestimmten Situationen die Herz-Kreislauf-Risikoeinschätzung ergänzen. HbA1c ist ein etablierter Test zur Diabetesdiagnostik und zum Screening. Bei Menschen mit erhöhtem Nierenrisiko sind eGFR und Albuminurie wichtige Untersuchungen. [3] [5] [6] [8]

Nicht als allgemeines Routine-Screening empfohlen: Vitamin-D-Messung bei allen gesunden Erwachsenen, TSH-Screening aller asymptomatischen Erwachsenen, Testosteron-Screening symptomfreier Männer oder ein breites Cortisol-Screening der Allgemeinbevölkerung. [9] [10] [11] [12]

Derzeit nicht ausreichend als allgemeine Longevity-Vorsorge belegt: routinemäßiges Ganzkörper-MRT aller beschwerdefreien Menschen, große Tumormarker-Panels, epigenetische Altersuhren für individuelle medizinische Entscheidungen sowie pauschale Multi-omics- oder Hormonpanels ohne konkrete Fragestellung. [22] [24] [27] [28]

Fachwörterlexikon

Die wichtigsten Fachbegriffe dieses Beitrags kurz und einsteigerfreundlich erklärt.

BegriffEinfach erklärt
25-OH-Vitamin DLaborwert zur Beurteilung des Vitamin-D-Status. 25-OH-Vitamin D ist die im Blut üblicherweise gemessene Speicherform.
AdenomGutartige Gewebeveränderung. Bestimmte Adenome im Darm können sich im Laufe der Zeit zu Krebs entwickeln und werden deshalb bei einer Koloskopie häufig entfernt.
Albumin-Kreatinin-Quotient (ACR)Urintest, der die Albuminausscheidung in Relation zum Kreatinin misst. Er wird häufig genutzt, um eine erhöhte Albuminausscheidung zuverlässig zu erfassen.
AlbuminurieErhöhte Ausscheidung des Eiweißes Albumin im Urin. Sie kann ein frühes Zeichen einer Nierenschädigung sein.
AneurysmaErweiterung oder Aussackung eines Blutgefäßes. Ein Bauchaortenaneurysma betrifft die große Bauchschlagader.
Apolipoprotein B / ApoBEiweißbestandteil atherogener Lipoproteinpartikel. Der Wert kann zusätzliche Hinweise auf die Zahl dieser Partikel geben.
ASCVDAbkürzung für atherosclerotic cardiovascular disease: atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beispielsweise Herzinfarkt oder bestimmte Schlaganfälle.
AsymptomatischOhne entsprechende Beschwerden oder Krankheitszeichen.
AtherogenBedeutet: die Entstehung von Atherosklerose fördernd.
AtheroskleroseErkrankung der Arterien, bei der sich unter anderem Fette, Cholesterin und andere Bestandteile in der Gefäßwand ansammeln. Sie kann Herzinfarkt oder Schlaganfall begünstigen.
AortenklappenstenoseVerengung der Herzklappe zwischen linker Herzkammer und Hauptschlagader. Stark erhöhtes Lp(a) ist mit einem höheren Risiko dafür verbunden.
BiomarkerMessbares biologisches Merkmal, das Informationen über einen körperlichen Zustand, ein Risiko oder eine Erkrankung liefern kann.
BiopsieEntnahme einer Gewebeprobe zur genaueren Untersuchung, meist unter dem Mikroskop.
CRPC-reaktives Protein. Ein im Blut messbarer Entzündungsmarker, der bei vielen unterschiedlichen Entzündungsprozessen ansteigen kann.
CT / ComputertomografieBildgebendes Verfahren mit Röntgenstrahlung, das Schichtbilder des Körpers erzeugt.
Cushing-SyndromErkrankung, bei der der Körper über längere Zeit zu viel Cortisol ausgesetzt ist. Die Diagnostik erfolgt mit speziellen Tests, nicht mit einem zufälligen Cortisol-Einzelwert.
DiagnostikUntersuchungen zur Abklärung eines konkreten Verdachts, Symptoms oder auffälligen Befundes.
DNA-MethylierungChemische Veränderung an der DNA, die unter anderem die Aktivität von Genen beeinflussen kann. Sie wird auch für manche biologischen Altersuhren verwendet.
eGFRGeschätzte glomeruläre Filtrationsrate. Sie beschreibt, wie gut die Nieren das Blut filtern.
EvidenzWissenschaftliche Belege, die beispielsweise aus Studien, systematischen Übersichtsarbeiten und Leitlinien stammen.
Falsch-positiver BefundEin Test deutet auf eine Erkrankung hin, obwohl diese tatsächlich nicht vorliegt.
Glukosetoleranztest / OGTTTest des Zuckerstoffwechsels. Nach dem Trinken einer festgelegten Glukosemenge wird gemessen, wie sich der Blutzucker entwickelt.
HbA1cLaborwert, der einen ungefähren Eindruck von der durchschnittlichen Blutzuckerbelastung der vergangenen zwei bis drei Monate gibt.
HDLHigh-Density Lipoprotein. Ein Lipoprotein, das am Transport von Cholesterin im Körper beteiligt ist.
HPVHumane Papillomviren. Bestimmte HPV-Typen können unter anderem Gebärmutterhalskrebs verursachen.
hs-CRPBesonders empfindlich gemessener CRP-Wert. Dauerhaft erhöhte Werte können in ausgewählten Situationen die Herz-Kreislauf-Risikoeinschätzung ergänzen.
HypercholesterinämieErhöhte Cholesterinwerte im Blut. Eine familiäre Hypercholesterinämie ist eine vererbte Form mit besonders hohen LDL-Werten.
HypogonadismusMedizinisch nachgewiesene Unterfunktion der Keimdrüsen. Beim Mann kann dies mit zu niedrigen Testosteronwerten und passenden Beschwerden einhergehen.
IndikationMedizinischer Grund, eine bestimmte Untersuchung oder Behandlung durchzuführen.
Ionisierende StrahlungEnergieform, die Atome oder Moleküle verändern kann. Röntgen und CT verwenden ionisierende Strahlung; MRT nicht.
KardiovaskulärDas Herz und die Blutgefäße betreffend.
KoloskopieDarmspiegelung. Dabei wird der Dickdarm mit einer kleinen Kamera untersucht.
Koronarkalk-Score / CAC-ScoreCT-basierte Messung verkalkter Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen. Kann bei ausgewählten Personen die Herz-Kreislauf-Risikoeinschätzung ergänzen.
LDLLow-Density Lipoprotein. LDL-Partikel transportieren Cholesterin im Blut. Hohe LDL-Cholesterinwerte fördern Atherosklerose.
LipidprofilLaboruntersuchung der wichtigsten Blutfette: Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceride.
Lipoprotein(a) / Lp(a)Stark genetisch bestimmtes, LDL-ähnliches Lipoprotein. Hohe Werte können das Herz-Kreislauf-Risiko und das Risiko für Aortenklappenstenose erhöhen.
MammographieRöntgenuntersuchung der Brust zur Früherkennung von Brustkrebs.
MetastaseAbsiedlung von Krebszellen in einem anderen Organ oder Körperbereich.
MRT / MagnetresonanztomografieBildgebung mithilfe starker Magnetfelder und Radiowellen. Sie verwendet keine ionisierende Röntgenstrahlung.
Multi-omicsGemeinsame Untersuchung mehrerer biologischer Datenebenen, etwa Gene, Proteine oder Stoffwechselprodukte.
Niedrigdosis-CTComputertomografie mit einer gegenüber vielen diagnostischen CT-Untersuchungen reduzierten Strahlendosis.
NüchternplasmaglukoseBlutzuckerwert nach einer Phase ohne Kalorienaufnahme, üblicherweise mindestens acht Stunden.
OnkologischKrebserkrankungen beziehungsweise die Krebsmedizin betreffend.
PackungsjahrMaß für die Rauchbelastung. Eine Packung mit 20 Zigaretten täglich über ein Jahr entspricht einem Packungsjahr.
Pap-AbstrichEntnahme von Zellen am Gebärmutterhals zur zytologischen Untersuchung.
PräventionMaßnahmen zur Verhinderung von Erkrankungen oder zur Verringerung ihres Risikos.
PSAProstataspezifisches Antigen. Ein Eiweiß aus der Prostata, das im Blut gemessen werden kann. Ein erhöhter Wert bedeutet nicht automatisch Krebs.
ReferenzbereichBereich von Laborwerten, der aus einer Vergleichsgruppe abgeleitet wurde. Ein Wert außerhalb des Bereichs bedeutet nicht automatisch Krankheit.
RisikoadaptiertAn das persönliche Risiko angepasst. Nicht jeder erhält dieselbe Untersuchung oder denselben Untersuchungsumfang.
RisikomodifikatorZusätzlicher Faktor, der eine bereits vorgenommene Risikoeinschätzung nach oben oder unten verändern kann.
SCORE2 / SCORE2-OPEuropäische Rechenmodelle zur Abschätzung des zukünftigen Herz-Kreislauf-Risikos. SCORE2-OP ist für ältere Menschen vorgesehen.
ScreeningSystematische Untersuchung von Menschen ohne entsprechende Beschwerden mit dem Ziel, eine Erkrankung oder ein relevantes Risiko früh zu erkennen.
SubklinischBereits vorhanden oder messbar, aber noch ohne typische Beschwerden oder klinisch offensichtliche Zeichen.
TriglycerideEine Form von Fett im Blut und im Körper. Stark erhöhte Werte können gesundheitlich problematisch sein.
TSHThyreoidea-stimulierendes Hormon. Es steuert die Schilddrüse und ist der wichtigste erste Laborwert zur Beurteilung ihrer Funktion.
TumormarkerSubstanz im Blut oder anderen Körperflüssigkeiten, deren Konzentration bei bestimmten Krebsarten verändert sein kann. Die meisten Tumormarker sind nicht für ein allgemeines Krebs-Screening geeignet.
ÜberdiagnoseDiagnose einer tatsächlich vorhandenen Erkrankung oder Veränderung, die ohne Screening zu Lebzeiten nie Beschwerden verursacht oder die Lebenszeit verkürzt hätte.
ZufallsbefundAuffälligkeit, nach der ursprünglich nicht gesucht wurde und deren gesundheitliche Bedeutung oft zunächst unklar ist.
ZytologieUntersuchung einzelner Zellen unter dem Mikroskop, beispielsweise beim Pap-Abstrich des Gebärmutterhalses.

Wissenschaftliche und institutionelle Quellen – Auswahl

Die Quellen sind so ausgewählt, dass zentrale Aussagen direkt auf Leitlinien, institutionelle Regelungen, systematische Reviews oder hochwertige Primärquellen zurückgeführt werden können. Webseiten und laufende Verfahren wurden am 6. September 2026 geprüft.

[1] Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Gesundheitsuntersuchungen (Check-up). Leistungsumfang, Intervalle, Hepatitis-Screening und Bauchaortenaneurysma-Screening.

[2] Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): Check-up. Lipidprofil, Nüchternplasmaglukose, Urinuntersuchung, Impfstatus und risikoadaptierte Beratung.

[3] European Society of Cardiology / European Atherosclerosis Society, 2025: Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. European Heart Journal 46(42):4359 ff.

[4] European Society of Cardiology: SCORE2 and SCORE2-OP calculators – Modelle zur Abschätzung des 10-Jahres-Risikos für kardiovaskuläre Ereignisse.

[5] Mach F et al., 2020: 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. European Heart Journal 41(1):111–188. (u. a. ApoB-Messung bei ausgewählten Risikokonstellationen).

[6] American Diabetes Association, 2026: Diagnosis and Classification of Diabetes – Standards of Care in Diabetes 2026. Diabetes Care 49(Suppl 1):S27 ff.

[7] Martí-Carvajal AJ et al., 2017: Homocysteine-lowering interventions for preventing cardiovascular events. Cochrane Database of Systematic Reviews, CD006612.

[8] KDIGO, 2024: Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney International 105(Suppl 4S):S117–S314.

[9] Endocrine Society, 2024: Vitamin D for the Prevention of Disease – Clinical Practice Guideline.

[10] DEGAM / AWMF, Version 2.3 (2025): Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis. AWMF-Registernummer 053-046.

[11] Endocrine Society, 2026: Statement on Testosterone Replacement Therapy – Anforderungen an die Diagnose eines Hypogonadismus und kein Bevölkerungsscreening symptomfreier Männer.

[12] Nieman LK et al.: The Diagnosis of Cushing’s Syndrome – Endocrine Society Clinical Practice Guideline. (Kein breites Screening; zufälliges Serum-Cortisol nicht als Screeningtest.)

[13] Gemeinsamer Bundesausschuss: Früherkennungsuntersuchungen im Überblick – Altersgrenzen und Intervalle der GKV-Angebote.

[14] Gemeinsamer Bundesausschuss: Programm zur Früherkennung von Darmkrebs – Stuhltest und Koloskopie ab 50 Jahren.

[15] Gemeinsamer Bundesausschuss, 20.08.2026: Keine belastbare Evidenz für Ausweitung der organisierten Darmkrebs-Früherkennung auf jüngere Personen mit familiärem Risiko.

[16] Gemeinsamer Bundesausschuss: Lungenkrebs-Früherkennung für aktive und ehemalige starke Raucherinnen und Raucher; seit April 2026 mittels Niedrigdosis-CT.

[17] Gemeinsamer Bundesausschuss, 16.04.2026: Mammographie-Screening 50–75 Jahre; Beratung zur möglichen Absenkung der unteren Altersgrenze auf 45 Jahre.

[18] Gemeinsamer Bundesausschuss: Programm zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs – Zytologie 20–34 Jahre, HPV-Test plus Zytologie ab 35 Jahren.

[19] Gemeinsamer Bundesausschuss: Screening auf Aneurysmen der Bauchaorta – einmaliger Ultraschall für gesetzlich versicherte Männer ab 65 Jahren.

[20] Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs – Nutzen, Fehlalarme und Überdiagnosen (aktualisierte Patienteninformation).

[21] IQWiG, Projekt S25-02, 2026: Risikoadaptiertes PSA- und MRT-Screening zur Früherkennung eines Prostatakarzinoms – Vorbericht und Projektstatus.

[22] Deutsches Krebsforschungszentrum – Krebsinformationsdienst, 2025: Tumormarker bei Gesunden – grundsätzlich keine gute Idee.

[23] U.S. Preventive Services Task Force, 2018: Cardiovascular Disease Risk – Screening With Electrocardiography. Gegen Routine-Screening asymptomatischer Niedrigrisikopersonen.

[24] Martins da Fonseca J et al., 2026: Whole-body MRI for opportunistic cancer detection in asymptomatic individuals: a systematic review and meta-analysis. European Radiology 36(3):1813–1823. DOI 10.1007/s00330-025-11976-5.

[25] Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Was ist eine Überdiagnose? Abgrenzung zu Fehldiagnose und falsch-positivem Befund.

[26] Deutsches Krebsforschungszentrum – Krebsinformationsdienst: Erblicher Krebs – genetische Beratung, Gentests und Grenzen von Direct-to-Consumer-Tests.

[27] Apsley AT, Etzel L, Ye Q, Shalev I, 2025: From population science to the clinic? Limits of epigenetic clocks as personal biomarkers. Epigenomics 17(18):1447–1461. DOI 10.1080/17501911.2025.2603880.

[28] Wyss-Coray T, Topol EJ, 2026: Biological aging clocks in health and disease. Nature Medicine 32(7):2383–2394. DOI 10.1038/s41591-026-04495-3.

[29] Krogsbøll LT, Jørgensen KJ, Gøtzsche PC, 2019: General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease. Cochrane Database of Systematic Reviews, CD009009.

Gesundheitshinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information über Prävention und Früherkennung und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnostik oder Behandlung.

Welche Untersuchungen im Einzelfall sinnvoll sind, hängt unter anderem von Alter, Geschlecht, Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten, familiären Risiken und bereits bekannten Befunden ab.

Bei neuen oder anhaltenden Beschwerden sollte nicht bis zum nächsten Vorsorgetermin gewartet werden.

Beschwerden gehören diagnostisch abgeklärt – sie sind keine Screeningfrage.

Stand der wissenschaftlichen Prüfung: 6. September 2026

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