Wandern für den Kopf: Was Bewegung in der Natur wirklich mit Stress, Stimmung und Wohlbefinden macht

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Warum Bewegung draußen mehr sein kann als nur Ausdauertraining – und wo die Wissenschaft Grenzen setzt

Die wichtigste Aussage vorweg

Vielleicht kennst du dieses Gefühl:

Du startest eine Wanderung mit vollem Kopf. Arbeit, Termine, Alltagsprobleme oder einfach zu viele Gedanken sind noch präsent.

Nach einer Weile draußen fühlt sich manches ruhiger an.

Aber ist das nur ein persönlicher Eindruck? Oder lässt sich wissenschaftlich zeigen, dass Bewegung in der Natur tatsächlich etwas mit Stimmung, Stress und Wohlbefinden macht?

Die kurze Antwort lautet:

Ja, dafür gibt es inzwischen gute Hinweise.

Eine große systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse aus dem Jahr 2026 wertete 51 Studien zu sogenanntem Green Exercise aus. Insgesamt zeigten sich günstige Effekte auf Wohlbefinden sowie positive und negative Gefühlszustände. In dieser Analyse schnitt Bewegung in grüner Umgebung auch gegenüber Bewegung drinnen und in stärker bebauten Umgebungen günstiger ab. Die Autoren betonen allerdings, dass sich die Studien teilweise deutlich unterscheiden und insbesondere die langfristigen Wirkungen noch besser untersucht werden müssen.

Für Einsteiger lässt sich daraus eine einfache Botschaft ableiten:

Eine Wanderung draußen ist nicht nur Training für Beine und Ausdauer. Sie kann gleichzeitig eine Gelegenheit sein, Abstand vom Alltag zu gewinnen und das eigene Wohlbefinden positiv zu beeinflussen.

Sie ist aber kein garantiertes Mittel gegen Stress und keine Behandlung psychischer Erkrankungen.

Diese Unterscheidung ist wichtig.

1. Was bedeutet eigentlich „Green Exercise“?

Der Begriff klingt komplizierter, als er ist.

Mit Green Exercise bezeichnet die Forschung körperliche Aktivität in einer natürlichen oder grünen Umgebung.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Gehen oder Spazierengehen im Wald
  • Bewegung in einem Park
  • Laufen auf begrünten Wegen
  • Radfahren in naturnaher Umgebung
  • andere körperliche Aktivitäten in Grünräumen

Untersucht wurden unter anderem:

  • Wälder
  • Parks
  • Grünanlagen
  • Naturreservate
  • Grasflächen
  • städtische Grünräume

Green Exercise bedeutet deshalb nicht automatisch Waldwandern und schon gar nicht Wildnis. Untersuchungen zu urbanem Green Exercise beziehen beispielsweise ausdrücklich Parks, urbane Wälder und andere Grünflächen innerhalb von Städten ein.

Für Einsteiger ist das eine gute Nachricht.

Du musst nicht erst in die Berge oder in einen Nationalpark fahren. Auch ein gut erreichbarer Park oder ein begrünter Rundweg kann eine geeignete Umgebung für Bewegung draußen sein.

2. Was sagt die aktuelle Forschung?

Die Studienlage hat sich in den vergangenen Jahren deutlich entwickelt.

Noch 2019 kam eine systematische Übersichtsarbeit mit 28 Studien zu einem sehr vorsichtigen Ergebnis. Es gab zwar einzelne Hinweise auf Vorteile von Green Exercise, zum Beispiel beim unmittelbaren Erleben und bei der Freude an der Bewegung. Insgesamt war die Qualität der Evidenz jedoch niedrig. Die Autoren sahen damals nur begrenzte Belege dafür, dass Green Exercise grundsätzlich bessere Wirkungen hat als vergleichbare Bewegung ohne Naturkontakt.

Danach kamen zahlreiche weitere Untersuchungen hinzu.

Eine 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit berücksichtigte 57 Studien, von denen 25 in eine Meta-Analyse eingingen. Green Exercise schnitt insgesamt besser ab als keine Bewegung. Gegenüber Bewegung drinnen oder in städtischer Umgebung zeigte sich jedoch kein statistisch gesicherter zusätzlicher Vorteil.

2026 folgten neue Auswertungen.

Die bereits erwähnte Meta-Analyse mit 51 Studien fand günstigere Ergebnisse von Green Exercise für:

  • Wohlbefinden
  • positive Gefühlszustände
  • negative Gefühlszustände

Diese Vorteile zeigten sich dort auch gegenüber Indoor-Bewegung und Bewegung in bebauter Umgebung.

Eine weitere Netzwerk-Meta-Analyse aus dem Jahr 2026 untersuchte 15 randomisierte Studien mit insgesamt 809 Erwachsenen. Auch dort schnitt Green Exercise bei den zusammengefassten psychischen Ergebnissen statistisch günstiger ab als Indoor-Bewegung und Kontrollbedingungen.

Was bedeutet das?

Nicht:

„Die Wissenschaft hat endgültig bewiesen, dass draußen immer besser ist als drinnen.“

Sondern:

Die neuere Forschung stärkt die Annahme, dass eine grüne Umgebung einen zusätzlichen psychischen Nutzen haben kann. Wie groß dieser Zusatznutzen ist, für wen er besonders relevant ist und unter welchen Bedingungen er entsteht, ist noch nicht abschließend geklärt.

Genau diese Differenzierung ist wichtig.

3. Was wissen wir über Stimmung und Wohlbefinden?

Viele Green-Exercise-Studien untersuchen sogenannte positive und negative Affekte.

Vereinfacht geht es um Fragen wie:

  • Fühle ich mich nach der Bewegung besser?
  • Bin ich weniger angespannt?
  • Erlebe ich mehr positive Gefühle?
  • Sind negative Gefühle weniger stark ausgeprägt?

Die 2026er Meta-Analyse mit 51 Studien fand insgesamt günstigere Ergebnisse für Wohlbefinden und positive Gefühlszustände sowie eine Verringerung negativer Gefühlszustände.

Das passt auch zu verschiedenen Einzelstudien.

In einer randomisierten Crossover-Untersuchung gingen 38 Erwachsene jeweils 30 Minuten durch drei unterschiedliche angenehme Umgebungen:

  • eine städtische Wohnumgebung
  • eine natürliche grüne Umgebung
  • eine natürliche Umgebung mit Wasser

Stimmung und Speichel-Cortisol entwickelten sich nach den Spaziergängen in allen drei Umgebungen günstig. Die grünen und blauen Umgebungen wurden jedoch als stärker erholsam erlebt und zeigten zusätzliche Effekte bei bestimmten kognitiven Maßen.

Das zeigt etwas sehr Wichtiges:

Nicht jeder positive Effekt eines Spaziergangs ist automatisch ein Natureffekt.

Auch die Bewegung selbst kann eine Rolle spielen.

4. Ist es die Bewegung – oder die Natur?

Wahrscheinlich tragen mehrere Faktoren gleichzeitig zum Erleben bei.

Wenn jemand 30 Minuten durch einen Wald geht und sich danach besser fühlt, können verschiedene Dinge zusammenkommen:

  • körperliche Bewegung
  • Abstand von der gewohnten Umgebung
  • weniger alltägliche Reize und Verpflichtungen
  • Wahrnehmung von Pflanzen und Landschaft
  • möglicherweise eine ruhigere Umgebung
  • persönliche Vorlieben für den jeweiligen Ort

Studien versuchen, solche Einflüsse beispielsweise durch Vergleiche zu trennen:

  • Naturspaziergang gegen Stadtspaziergang
  • Bewegung draußen gegen Bewegung drinnen
  • Bewegung in Grünräumen gegen Bewegung in bebauter Umgebung

Vollständig voneinander trennen lassen sich alle Einflüsse unter realen Bedingungen jedoch nur schwer.

Deshalb ist es auch nicht ungewöhnlich, dass verschiedene Übersichtsarbeiten etwas unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Die Meta-Analyse von 2025 fand keinen statistisch gesicherten Zusatzvorteil gegenüber Indoor- oder urbaner Bewegung. Neuere Analysen aus dem Jahr 2026 kamen zu günstigeren Ergebnissen für Green Exercise.

Das bedeutet nicht automatisch, dass eine Arbeit richtig und eine andere falsch ist.

Unterschiede können beispielsweise dadurch entstehen, dass Reviews:

  • andere Studien einschließen
  • unterschiedliche Vergleichsgruppen verwenden
  • verschiedene Zielgrößen zusammenfassen
  • unterschiedliche statistische Verfahren einsetzen

So entwickelt sich wissenschaftliche Evidenz.

5. Und was ist mit Stress?

Beim Begriff Stress müssen wir besonders genau sein.

Zum einen können Forscher das subjektive Stresserleben erfassen, also beispielsweise:

„Wie gestresst fühle ich mich?“

Daneben können Studien auch stressbezogene physiologische Reaktionen untersuchen, beispielsweise über Cortisol oder Parameter des autonomen Nervensystems.

Solche Messwerte bilden jedoch jeweils nur Teilaspekte der Stressreaktion ab. Ein einzelner Cortisolwert ist also nicht gleichbedeutend mit einer vollständigen Messung des komplexen Phänomens Stress.

Das zeigt auch die bereits erwähnte Studie mit den 30-minütigen Spaziergängen.

Dort verbesserten sich Stimmung und Speichel-Cortisol in allen drei untersuchten Umgebungen, nicht nur in der Natur. Die grünen und blauen Umgebungen wurden allerdings als stärker erholsam erlebt.

Deshalb wäre die Aussage

„Der Wald senkt nachweislich das Stresshormon Cortisol.“

zu pauschal.

Sauberer ist:

Bewegung in grünen Umgebungen kann mit günstigen Veränderungen des subjektiven Erlebens und verschiedener psychischer beziehungsweise stressbezogener Parameter verbunden sein. Ein universeller biologischer Anti-Stress-Effekt der Natur lässt sich daraus nicht ableiten.

6. Muss ich stundenlang wandern, damit es meinem Kopf guttut?

Nein – zumindest zeigen Studien, dass kurzfristige Veränderungen psychischer Parameter bereits nach relativ kurzen Bewegungseinheiten beobachtet wurden.

In der Forschung finden sich beispielsweise Einheiten von:

  • etwa 15 Minuten
  • etwa 20 Minuten
  • etwa 30 Minuten
  • aber auch deutlich längerer Dauer

Daraus dürfen wir jedoch keine vermeintliche Idealzahl ableiten.

Die Aussage

„20 Minuten Natur sind wissenschaftlich die optimale Dosis.“

ist nicht belegt.

Menschen, Aktivitäten, Umgebungen, Intensitäten und untersuchte Zielgrößen unterscheiden sich dafür zu stark.

Für Einsteiger ist die praktische Schlussfolgerung viel einfacher:

Du musst nicht mehrere Stunden wandern, damit Bewegung draußen einen Wert haben kann. Auch eine kurze Runde in grüner Umgebung kann eine sinnvolle Bewegungseinheit sein.

Das ist etwas anderes als die Behauptung, eine bestimmte Minutenanzahl garantiere einen bestimmten psychischen Effekt.

7. Muss es unbedingt Wald sein?

Nein.

Die Forschung zu Green Exercise beschränkt sich nicht auf Wälder.

Untersucht wurden unter anderem:

  • Parks
  • Grünflächen
  • Wälder
  • Naturreservate
  • begrünte Wege
  • andere städtische und naturnahe Grünräume

Besonders interessant ist eine Meta-Analyse von 2025 speziell zu Urban Green Exercise. Sie umfasste 15 randomisierte Studien mit 980 Erwachsenen und untersuchte Bewegung beispielsweise in Stadtparks, urbanen Wäldern und anderen städtischen Grünräumen. Insgesamt zeigten sich günstige Effekte auf die untersuchten psychischen Gesundheitsparameter.

Für den Alltag bedeutet das:

Naturkontakt muss nicht spektakulär sein.

Für regelmäßige Bewegung kann ein gut erreichbarer Park deshalb eine sehr praktische Möglichkeit sein. Ein entfernter Traumwanderweg ist dafür nicht erforderlich.

8. Besonders interessant: Bewegung draußen ab 50

Für Menschen ab 50 Jahren gibt es inzwischen eine eigene aktuelle Auswertung.

Eine 2026 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse berücksichtigte 26 Studien mit insgesamt 1.468 Erwachsenen zwischen 50 und 86 Jahren.

Besonders interessant:

73,1 Prozent der untersuchten Green-Exercise-Interventionen bestanden aus Gehen.

Die Analyse fand insgesamt günstigere psychische Ergebnisse gegenüber:

  • Wartelisten-Kontrollgruppen
  • Bewegung in städtischer Umgebung
  • Indoor-Training

Die Sicherheit der Gesamtevidenz wurde von den Autoren nach dem GRADE-System als moderat bewertet.

Das ist eine wichtige Entwicklung der Studienlage.

Aber auch diese Arbeit hat Grenzen. Unter anderem:

  • Einige Einzelstudien waren klein.
  • Aktivitäten und Umgebungen unterschieden sich.
  • Dauer und Häufigkeit der Interventionen waren unterschiedlich.
  • Verschiedene Instrumente zur Messung psychischer Outcomes wurden verwendet.
  • Bei einzelnen Vergleichen war die statistische Heterogenität hoch.

Deshalb lautet die faire Einordnung:

Die Ergebnisse sind vielversprechend und inzwischen deutlich besser abgesichert als noch vor einigen Jahren – sie garantieren aber keinen identischen Effekt für jeden einzelnen Menschen.

9. Muss ich beim Wandern besonders achtsam sein?

Nein.

Du musst aus einer Wanderung keine Meditation machen, damit Bewegung in grüner Umgebung als Green Exercise gilt.

Die Forschung untersucht unterschiedliche Formen körperlicher Aktivität, insbesondere Gehen, aber beispielsweise auch Laufen, Radfahren und kombinierte Trainingsformen. Bei der aktuellen Analyse für Menschen zwischen 50 und 86 Jahren war Gehen sogar mit Abstand die häufigste Aktivität.

Wenn es dir gefällt, kannst du unterwegs natürlich bewusst wahrnehmen:

  • Geräusche
  • Landschaft
  • Wetter
  • Boden
  • Gerüche
  • deinen eigenen Bewegungsrhythmus

Das ist aber keine Voraussetzung.

Die Aussage

„Nur wer achtsam durch den Wald geht, profitiert psychisch davon.“

wäre wissenschaftlich nicht begründet.

Für Langstrecken-Einsteiger ist also kein zusätzliches Ritual notwendig.

10. Was bedeutet das für Langstreckenwanderer?

Hier müssen wir die Forschung von unserem Praxistransfer trennen.

Die Green-Exercise-Forschung beschäftigt sich überwiegend mit den psychischen Auswirkungen körperlicher Aktivität in grünen Umgebungen.

Sie beweist nicht:

  • dass Wandern in der Natur deine 50-km-Zeit verbessert
  • dass du dadurch keinen mentalen Tiefpunkt bekommst
  • dass ein langer Marsch automatisch Stress reduziert
  • dass ein anstrengender 50-km-Marsch dieselben psychischen Wirkungen hat wie ein lockerer 30-minütiger Spaziergang

Die Belastungen sind dafür viel zu unterschiedlich.

Ein Langstreckenmarsch kann körperlich und mental ausgesprochen fordernd sein.

Trotzdem lässt sich für Einsteiger etwas Sinnvolles übertragen:

Nicht jede Wanderung muss ausschließlich Kilometertraining sein.

Eine kürzere und lockere Einheit draußen kann gleichzeitig bieten:

  • körperliche Bewegung
  • Naturkontakt
  • eine Unterbrechung des Alltags
  • Zeit außerhalb gewohnter Routinen

Das ist ein vernünftiger Praxistransfer aus der Forschung – keine Garantie auf einen bestimmten psychischen Effekt.

11. Muss ich möglichst abgelegen wandern?

Nein.

Für Green Exercise brauchst du keine einsame Wildnis.

Gerade für Neueinsteiger ist wichtiger, eine Umgebung zu wählen, in der sie sich sicher bewegen und die sie ohne großen Aufwand erreichen können.

Möglichkeiten sind beispielsweise:

  • ein Stadtpark
  • ein begrünter Rundweg
  • Waldwege
  • Feld- und Wiesenwege
  • naturnahe Wanderwege

Wenn du später gezielt für einen Langstreckenmarsch trainierst, kommen weitere Faktoren hinzu:

  • Streckenlänge
  • Höhenmeter
  • Untergrund
  • Versorgung
  • Belastungsdauer

Aber wenn es lediglich um eine Bewegungseinheit draußen geht, muss daraus keine große Tour werden.

12. Was kann die Forschung bisher nicht beweisen?

Dieser Abschnitt ist besonders wichtig.

Die aktuelle Studienlage erlaubt uns nicht, seriös zu behaupten:

  • „Wandern heilt Depressionen.“
  • „Eine Stunde Wald reduziert Stress um X Prozent.“
  • „20 Minuten Natur sind die optimale Dosis.“
  • „Wald ist immer besser als Park.“
  • „Outdoor-Training wirkt bei jedem besser als Indoor-Training.“
  • „Naturwandern verhindert Burnout.“

Für solche allgemeinen Aussagen reicht die Evidenz nicht.

Die 2026er Netzwerk-Meta-Analyse zu Green Exercise, Indoor Exercise und Kontrollgruppen liefert zwar neue positive Ergebnisse – darunter bei Depression, Angst und psychischer Belastung –, aber auch daraus folgt keine individuelle Heil- oder Behandlungsgarantie.

Bei diagnostizierten psychischen Erkrankungen ist diese Grenze besonders wichtig.

Körperliche Aktivität und Naturkontakt können Bestandteile eines gesundheitsförderlichen Lebensstils sein. Sie ersetzen jedoch keine notwendige medizinische oder psychotherapeutische Diagnostik und Behandlung.

13. Was kannst du als Einsteiger daraus mitnehmen?

Du musst Green Exercise nicht kompliziert gestalten.

Wenn du ohnehin mit dem Wandern beginnen möchtest, hast du bereits eine passende Form körperlicher Aktivität.

Für den Einstieg kannst du beispielsweise:

  • eine grüne Strecke wählen, die du gut erreichen kannst
  • mit einer Dauer beginnen, die zu deiner aktuellen Belastbarkeit passt
  • bei einer lockeren Einheit ein angenehmes Tempo wählen
  • verschiedene Wege ausprobieren
  • kürzere und längere Einheiten miteinander kombinieren

Du musst dabei:

  • keine Leistungsdaten sammeln
  • nicht zwingend das Smartphone zu Hause lassen
  • keine besondere Atemtechnik anwenden
  • keine Mentalübung durchführen
  • keine festgelegte Mindestzeit erreichen

Wenn du dich später auf einen 30-, 42- oder 50-km-Marsch vorbereitest, werden längere und strukturiertere Trainingseinheiten wichtiger.

Aber nicht jede Wanderung muss lang, schnell oder besonders anstrengend sein.

Manchmal darf eine Wanderung einfach eine Wanderung sein.

Häufige Fragen

Hilft Wandern gegen Stress?

Gehen und Wandern gehören zu den naheliegenden Formen von Green Exercise. Insgesamt zeigen Studien zu Bewegung in grüner Umgebung günstige Veränderungen verschiedener psychischer Parameter, darunter teilweise auch stressbezogene Maße.

Die Ergebnisse sind jedoch nicht bei allen Studien und Messmethoden identisch.

Deshalb sollte Wandern nicht als garantierte „Anti-Stress-Therapie“ bezeichnet werden.

Ist Wandern im Wald besser als auf dem Laufband?

Neuere Meta-Analysen sprechen dafür, dass Green Exercise gegenüber Indoor-Bewegung zusätzliche psychische Vorteile haben kann. Die 2026er Meta-Analysen fanden entsprechende Vorteile.

Eine große Meta-Analyse von 2025 fand diesen zusätzlichen Vorteil gegenüber Indoor- und urbaner Bewegung dagegen nicht statistisch gesichert.

Deshalb lässt sich derzeit nicht seriös behaupten, dass Bewegung im Grünen für jeden Menschen und unter allen Bedingungen besser wirkt als Bewegung drinnen.

Reichen 20 oder 30 Minuten?

Mehrere Studien haben bereits relativ kurze Einheiten untersucht und dabei kurzfristige Veränderungen verschiedener psychischer Parameter beobachtet.

Eine wissenschaftlich festgelegte Mindest- oder Optimaldauer lässt sich daraus aber nicht ableiten.

Muss es ein Wald sein?

Nein.

In der Forschung wurden unter anderem untersucht:

  • Parks
  • urbane Grünflächen
  • Wälder
  • andere natürliche und vegetationsreiche Umgebungen

Auch Urban Green Exercise kann mit günstigen psychischen Ergebnissen verbunden sein.

Macht mich Wandern automatisch glücklicher?

Nein.

Studien beschreiben durchschnittliche Effekte innerhalb untersuchter Gruppen. Sie garantieren nicht, dass jeder einzelne Mensch dieselbe Veränderung erlebt.

Das persönliche Erleben einer Wanderung kann von vielen Faktoren beeinflusst werden, beispielsweise:

  • aktueller Situation
  • Umgebung
  • körperlicher Belastung
  • Wetter
  • Begleitung oder Alleinsein
  • persönlichen Vorlieben

Fazit: Bewegung draußen kann Körper und Kopf etwas geben

Die Forschung zu Green Exercise hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt.

2019 war die Evidenz für einen zusätzlichen Vorteil von Bewegung in natürlicher Umgebung gegenüber Bewegung drinnen noch niedrig und uneindeutig. Eine große Meta-Analyse von 2025 bestätigte zwar Vorteile gegenüber Nicht-Bewegung, fand aber keinen statistisch gesicherten Zusatznutzen gegenüber Indoor- oder urbaner Bewegung.

Neuere Meta-Analysen aus dem Jahr 2026 fallen positiver aus. Sie sprechen dafür, dass Bewegung in grünen Umgebungen Wohlbefinden und verschiedene psychische Outcomes zusätzlich günstig beeinflussen kann.

Besonders interessant für Menschen ab 50 ist die aktuelle Analyse mit 26 Studien und 1.468 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Fast drei Viertel der untersuchten Green-Exercise-Interventionen bestanden aus Gehen, und die Sicherheit der Gesamtevidenz wurde nach GRADE als moderat bewertet.

Trotzdem sollten wir daraus keine Wunderwirkung machen.

Wandern ist keine Therapie für jede Form von Stress oder psychischer Erkrankung.

Natur ist kein Medikament mit exakt festgelegter Dosierung.

Und Bewegung draußen wirkt nicht bei jedem Menschen identisch.

Was wir nach heutigem Forschungsstand guten Gewissens sagen können, ist einfacher:

Regelmäßige Bewegung ist wertvoll. Bewegung in grüner Umgebung kann zusätzlich positive Effekte auf Stimmung und Wohlbefinden haben. Und dafür muss es weder eine Expedition noch eine 50-km-Tour sein.

Gerade für Einsteiger kann deshalb schon eine gut erreichbare, angenehme Runde draußen ein guter Anfang sein.

Nicht jeder Kilometer muss Leistung sein. Manchmal ist Bewegung draußen einfach auch Zeit für den Kopf.

Quellen und weiterführende Literatur

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Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information zu Bewegung, Training und gesundheitsbezogenem Wohlbefinden. Er stellt keine medizinische, psychologische oder psychotherapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar.

Bei anhaltender erheblicher psychischer Belastung oder psychischen Erkrankungen sollte geeignete professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden.

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