Kurz gesagt
Gewitter sind beim Langstreckenwandern ein relevantes Sicherheitsrisiko. Gerade lange Trainings- und Vorbereitungseinheiten dauern mehrere Stunden. Wer morgens bei freundlichem Wetter startet, kann deshalb im weiteren Tagesverlauf in eine deutlich kritischere Wetterlage geraten.
Für Nordrhein-Westfalen weist der Deutsche Wetterdienst heute auf eine zunehmende Gewittergefahr mit einzelnen, teils kräftigen Gewittern hin. [1]
Deshalb gilt auch hier:
Ein Trainingsplan ist ein Werkzeug – kein Gesetz.
Bei Gewitterneigung sollten Startzeit, Streckenverlauf, Ausstiegsmöglichkeiten und geeignete Schutzorte schon vor dem Losgehen berücksichtigt werden. Verschlechtert sich die Lage unterwegs, kann es richtig sein, eine Trainingseinheit zu verkürzen, umzudrehen oder abzubrechen.
Absolute Sicherheit gibt es im Freien nicht. Gute Tourenplanung und rechtzeitiges Handeln können das Risiko jedoch deutlich reduzieren.
Aktueller Anlass: Gewitterrisiko in Nordrhein-Westfalen
Der Warnlagebericht des Deutschen Wetterdienstes für Nordrhein-Westfalen vom 15. August 2026 beschreibt eine zunehmend unter Tiefdruckeinfluss geratende Wetterlage und einzelne, teils kräftige Gewitter. [1]
Das wirft für das Langstreckentraining eine praktische Frage auf:
Was sollte passieren, wenn eine mehrstündige Einheit geplant ist, sich die Wetterlage im Tagesverlauf aber deutlich verschlechtern kann?
Die sinnvolle Antwort lautet weder automatisch „Training absagen“ noch „wie geplant durchziehen“.
Die bessere Entscheidung basiert auf einer erneuten Bewertung von:
- Wetterlage,
- Zeitpunkt,
- Strecke,
- Exposition,
- vorhandenen Schutzmöglichkeiten,
- Ausstiegsmöglichkeiten und
- verbleibender Dauer der Einheit.
1. Warum Gewitter beim Langstreckenwandern besonders relevant sind
Blitze können Menschen auf unterschiedliche Weise verletzen. Neben einem direkten Blitzschlag sind unter anderem seitliche Überschläge und Ströme über den Boden beziehungsweise Schrittspannungen mögliche Verletzungsmechanismen. Die medizinische Literatur beschreibt Blitzverletzungen zwar als selten, aber potenziell schwerwiegend beziehungsweise tödlich. [7–9]
Für Langstreckenwanderer kommt ein weiterer Faktor hinzu:
lange Expositionszeit.
Wer mehrere Stunden im Freien unterwegs ist, erlebt einen wesentlich größeren Zeitraum möglicher Wetterveränderungen als bei einer kurzen Trainingseinheit.
Eine retrospektive Untersuchung von Blitzunfällen in den österreichischen Alpen bestätigt, dass Blitzereignisse im Bergsport zwar selten sind, aber zu schweren Verletzungen und Todesfällen führen können. [7]
Für die Trainingspraxis folgt daraus:
Gewittermanagement beginnt nicht mit dem ersten Blitz, sondern bereits bei der Tourenplanung.
2. Vor dem Start: Wetterlage und Route gemeinsam beurteilen
Der Deutsche Alpenverein weist darauf hin, dass Gewitter insbesondere in den Sommermonaten lokal entstehen und nicht immer präzise vorherzusagen sind. Auch bei sorgfältiger Planung kann deshalb ein Restrisiko bleiben. [4]
Umso wichtiger ist eine defensive Vorbereitung.
Vor einer langen Einheit sollte geklärt sein:
- Wie entwickelt sich die Wetterlage über die nächsten Stunden?
- Gibt es amtliche Warnungen?
- Wann wird eine mögliche Gewitterentwicklung erwartet?
- Wo befinden sich geeignete Schutzorte?
- Wo kann die Strecke vorzeitig verlassen werden?
- Gibt es längere exponierte Abschnitte?
- Ist Mobilfunkempfang vorhanden?
- Wie komme ich im Falle eines Abbruchs zurück?
Der DAV empfiehlt bei Gewitterneigung unter anderem einen frühen Start und das vorherige Einplanen von Schutz- beziehungsweise Rückzugsmöglichkeiten. [4]
Das lässt sich sinnvoll auf das Langstreckenwandern übertragen.
3. Früher starten kann sinnvoll sein
Bei bestimmten sommerlichen Wetterlagen nimmt die Neigung zu lokalen Wärmegewittern im Tagesverlauf zu. Der DAV weist insbesondere für die Monate Mai bis August auf eine erhöhte Neigung zu nachmittäglichen Wärmegewittern hin. [4]
Daraus folgt allerdings keine Universalregel wie:
„Morgens gibt es keine Gewitter.“
Auch Frontgewitter können zu anderen Tageszeiten auftreten.
Ein früher Trainingsbeginn kann bei einer entsprechenden Wetterprognose trotzdem sinnvoll sein, weil dadurch die geplante lange Belastung möglicherweise vor dem prognostizierten kritischeren Zeitraum beendet werden kann.
Entscheidend bleibt die konkrete Wetterlage des jeweiligen Tages.
4. Wann ist ein Gewitter gefährlich nah?
Hier ist eine wissenschaftlich beziehungsweise fachlich saubere Differenzierung wichtig.
Der Deutsche Alpenverein verwendet folgende praktische Faustregel:
Liegen zwischen Blitz und Donner weniger als 30 Sekunden, gilt das Gewitter als nah. [5]
Der VDE formuliert noch vorsichtiger:
Bereits wenn Donner wahrgenommen wird, sollen gefährdete Bereiche wie freie Flächen oder einzeln stehende Bäume verlassen und geeignete Schutzbereiche aufgesucht werden.
Bei 10 Sekunden oder weniger zwischen Blitz und Donner besteht laut VDE unmittelbare Lebensgefahr. [3]
Damit ist wichtig:
Die 30-Sekunden-Regel ist keine „Sicherheitsgrenze“.
Es wäre falsch zu folgern:
31 Sekunden = sicher
29 Sekunden = gefährlich
Gewitterzellen bewegen und entwickeln sich, und Blitze können seitlich erhebliche Entfernungen überbrücken.
Praktische Konsequenz
Nicht auf eine bestimmte Sekundenmarke warten, wenn ein Gewitter erkennbar heranzieht.
Wenn Donner hörbar wird oder sich deutliche Gewitterzeichen entwickeln, sollte Schutz frühzeitig gesucht werden.
5. Wetterzeichen unterwegs ernst nehmen
Technische Warnsysteme sind wertvoll, ersetzen aber die Beobachtung der Umgebung nicht vollständig.
Der DAV nennt unter anderem folgende mögliche Hinweise auf ein aufkommendes Gewitter:
- rasch anwachsende Quellwolken,
- turm- oder ambossförmige Wolken,
- zunehmende beziehungsweise dunkle Bewölkung,
- auffrischenden Wind und
- ungewöhnliche elektrische Erscheinungen beziehungsweise Surren in der Luft. [4]
Der VDE nennt für lokale sommerliche Gewitter ebenfalls unter anderem hohe Luftfeuchtigkeit beziehungsweise Schwüle, schnell zunehmende dunkle Bewölkung und plötzlich auftretende Windböen als Warnzeichen. [3]
Wenn sich solche Zeichen entwickeln, sollte die Frage nicht mehr lauten:
„Schaffe ich noch meine geplanten Kilometer?“
sondern:
„Wie erreiche ich rechtzeitig einen geeigneten Schutzort?“
6. Die besten Schutzorte
Beim Schutz vor Blitzschlag besteht eine klare Prioritätenfolge.
Der VDE nennt als besonders geeignete Schutzorte:
1. Geeignete Gebäude, möglichst mit Blitzschutzsystem
und
2. geschlossene Fahrzeuge mit Metallkarosserie. [3]
Bei einem langen Marsch kann deshalb ein frühzeitig erreichbares
- festes Gebäude,
- sicherer Innenraum oder
- geeignetes Fahrzeug
eine wesentlich bessere Option sein als improvisierter Schutz irgendwo entlang der Strecke.
Wichtig:
Nicht jede Schutzhütte ist automatisch blitzsicher.
Der DAV empfiehlt möglichst eine Schutzhütte mit geeigneter Blitzschutzanlage. [4]
Eine einfache offene Wanderhütte, ein Unterstand oder ein Vordach darf deshalb nicht pauschal mit einem blitzgeschützten Gebäude gleichgesetzt werden.
7. Diese Orte solltest du meiden
Der DAV und der VDE nennen mehrere Bereiche, die bei Gewitter besonders problematisch sind.
Dazu gehören insbesondere:
- freistehende Bäume,
- Waldränder,
- exponierte Erhebungen,
- Gipfel und Grate,
- offene erhöhte Flächen,
- wasserführende Bereiche
- sowie bestimmte metallische Strukturen und Leitungen. [3–5]
Auch die alte Bauernregel
„Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen“
ist fachlich falsch.
Der VDE stellt ausdrücklich klar, dass Blitze nicht aufgrund der Baumart zwischen Eiche und Buche unterscheiden. [3]
Ebenfalls kein verlässlicher Schutz: das Zelt
Ein gewöhnliches Zelt bietet keinen mit einem sicheren Gebäude oder geeigneten Fahrzeug vergleichbaren Blitzschutz. Sowohl VDE als auch DAV weisen darauf hin. [3–5]
8. Wald: nicht einfach „Wald = sicher“
Auch hier ist eine differenzierte Aussage notwendig.
Ein Waldrand ist ungünstig.
Ein einzelner hoher Baum ist ebenfalls ungünstig.
Wenn kein besserer Schutz erreichbar ist, bewertet der VDE den Aufenthalt im Inneren eines gleichmäßig hohen Waldbestands als weniger gefährlich als exponierte Bereiche. Zu Bäumen und Ästen sollte dabei möglichst Abstand gehalten werden. [3]
Der DAV formuliert ähnlich:
Wenn nur entsprechende Geländeoptionen zur Verfügung stehen, ist mitten im Wald günstiger als der Waldrand. [4]
Das bedeutet jedoch nicht:
„Ein Wald ist ein sicherer Blitzschutzraum.“
Er ist lediglich unter bestimmten Umständen eine risikoärmere Option als exponiertes Gelände, wenn kein geeigneter geschützter Raum erreichbar ist.
9. Was ist mit Trekkingstöcken und anderen Metallgegenständen?
Bei diesem Punkt kursieren viele Missverständnisse.
Metall „zieht“ einen Blitz nicht einfach magisch an.
Problematisch können jedoch leitfähige Gegenstände beziehungsweise metallische Konstruktionen im Zusammenhang mit Blitzstrom, Überschlag und Kontakt sein.
Der DAV empfiehlt deshalb, metallische Ausrüstungsgegenstände in einer akuten Gewittersituation mit ausreichend Abstand zu deponieren. [4,5]
Für Langstreckenwanderer kann das beispielsweise Trekkingstöcke betreffen.
Wichtiger als die Diskussion über einzelne Ausrüstungsgegenstände bleibt aber:
rechtzeitig einen geeigneten Schutzort zu erreichen.
Das Ablegen von Trekkingstöcken macht eine ansonsten gefährliche Position auf einer offenen Fläche nicht sicher.
10. Abstand innerhalb einer Gruppe
Wer mit mehreren Personen unterwegs ist, sollte bei einem nahen Gewitter nicht eng zusammenstehen.
Sowohl DAV als auch VDE empfehlen, den Abstand zwischen Personen zu vergrößern. [3–5]
Der VDE nennt dabei mindestens etwa einen Meter und nach Möglichkeit mehr Abstand als Orientierung. [3]
Der Hintergrund ist unter anderem, dass bei einem einzelnen Ereignis nicht mehrere Personen gleichzeitig über Bodenstrom, Überschlag oder Kontakt betroffen werden sollen.
11. Wenn kein sicherer Schutz erreichbar ist
Die wichtigste Strategie bleibt:
rechtzeitig einen geeigneten Schutzbereich aufsuchen.
Die sogenannte Schutzposition ist keine gleichwertige Alternative zu einem sicheren Gebäude oder Fahrzeug.
Wenn jedoch kein solcher Schutz erreichbar ist und man von einem nahen Gewitter im Freien überrascht wird, empfehlen DAV und VDE als Notmaßnahme unter anderem:
- exponierte Stellen verlassen,
- eine möglichst tiefer gelegene Stelle beziehungsweise Mulde aufsuchen,
- in die Hocke gehen,
- die Füße eng zusammenhalten und
- die Kontaktfläche mit dem Boden möglichst klein halten. [3–5]
Der DAV empfiehlt gegebenenfalls eine isolierende Unterlage wie einen trockenen Rucksack. [4]
Nicht flach auf den Boden legen
Eine möglichst große Bodenkontaktfläche ist gerade wegen möglicher Bodenströme beziehungsweise Schrittspannungen ungünstig.
Die Schutzposition ist deshalb geduckt und kompakt, nicht liegend.
12. Wann darf man wieder weitergehen?
Auch hier lohnt sich eine Präzisierung.
Der VDE empfiehlt:
Erst wenn 30 Minuten lang kein Donner mehr wahrgenommen wurde, sollte von einer Entwarnung ausgegangen werden. [3]
In technisch überwachten Situationen wird entsprechend empfohlen, erst nach ausreichendem Abstand beziehungsweise längerer Blitzfreiheit wieder in den ungeschützten Bereich zurückzukehren. [3]
Für Langstreckenwanderer bedeutet das:
Nicht direkt nach dem letzten Donner wieder loslaufen, nur weil der Himmel etwas heller aussieht.
13. Gewitter bedeutet mehr als Blitzschlag
Bei einer langen Wanderung entstehen bei Unwetter zusätzliche Gefahren.
Dazu können gehören:
- Starkregen,
- starke Windböen,
- herabfallende Äste,
- umstürzende Bäume,
- schlechtere Sicht,
- rutschige Wege,
- schnell steigende oder wasserführende Bereiche
- und eine zunehmende Auskühlungsgefahr.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt bei Unwettern grundsätzlich, den Aufenthalt im Freien möglichst zu vermeiden und besonders gefährdete Bereiche zu meiden. [2]
Der DAV weist zusätzlich darauf hin, dass nasse Kleidung, Wind und sinkende Temperaturen auch im Sommer eine relevante Auskühlungsgefahr erzeugen können. [4]
14. Was sollte im Rucksack sein?
Für längere Wanderungen bei wechselhafter Wetterlage sind insbesondere sinnvoll:
- wasserdichte Regenjacke,
- zusätzliche wärmende Schicht,
- Rettungsdecke oder Biwaksack,
- Erste-Hilfe-Set,
- aufgeladenes Smartphone,
- Powerbank,
- gegebenenfalls Stirnlampe,
- Offline-Karte beziehungsweise Kartenmaterial.
Der DAV führt entsprechende Notfall- und Wetterschutzausrüstung ebenfalls in seinen Empfehlungen für Touren mit Unwetterrisiko auf. [4]
Ausrüstung ersetzt jedoch keine gute Tourenentscheidung.
Die beste Regenjacke macht eine exponierte Position während eines nahen Gewitters nicht sicher.
15. Warn-Apps sinnvoll einsetzen
Für längere Trainingseinheiten können amtliche Warnsysteme eine zusätzliche Sicherheitsebene schaffen.
Die Warn-App NINA des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe integriert auch Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes. Orte beziehungsweise Gebiete können für Warnmeldungen abonniert werden; auf Wunsch können auch standortbezogene Warnungen genutzt werden. [6]
Zusätzlich können DWD-Wetter- und Warninformationen sowie Regen- beziehungsweise Gewitterradar bei der Tourenplanung helfen.
Dabei gilt:
Eine App ist eine Informationsquelle – keine Garantie.
Lokale Gewitter können sich dynamisch entwickeln. Deshalb gehören technische Warnsysteme und eigene Wetterbeobachtung zusammen.
16. Ein Praxis-Check für das Langstreckentraining
Die folgende Entscheidungshilfe ist keine wissenschaftlich validierte Risikoskala. Sie übersetzt die oben genannten Sicherheitsinformationen lediglich in praktische Trainingsfragen.
Vor dem Start
Frage dich:
1. Gibt es Gewitterwarnungen oder eine erhöhte Gewitterwahrscheinlichkeit?
2. Wann wird die kritischste Phase erwartet?
3. Kann ich früher starten?
4. Kann ich die Einheit verkürzen?
5. Wo befinden sich wirklich geeignete Schutzorte?
6. Wo kann ich die Route abbrechen?
7. Gibt es lange exponierte Passagen ohne Rückzugsmöglichkeit?
Wenn mehrere dieser Fragen ungünstig beantwortet werden, kann eine alternative Trainingsroute oder ein anderer Trainingstag die bessere Entscheidung sein.
17. Während der Tour: Entscheidung vor Eskalation treffen
Gutes Risikomanagement bedeutet, nicht erst dann zu handeln, wenn die Situation bereits kritisch geworden ist.
Deshalb:
Wetter beobachten → Veränderungen erkennen → neu bewerten → früh entscheiden.
Mögliche Entscheidungen sind:
- Tempo erhöhen, um einen bereits nahe gelegenen sicheren Schutzraum frühzeitig zu erreichen,
- Route verkürzen,
- nächsten Ausstieg nutzen,
- umkehren,
- Training beenden.
Dabei sollte ein schnelleres Gehen niemals dazu führen, dass man sich in eine noch exponiertere oder anderweitig gefährliche Situation begibt.
18. Was bedeutet das für einen Trainingsplan?
Ein Langstreckentrainingsplan beschreibt eine geplante Belastung.
Er kann aber nicht Wochen im Voraus zuverlässig wissen,
- ob ein Gewitter entsteht,
- wann genau es entsteht,
- wie sich die Zelle bewegt,
- welche Strecke betroffen sein wird
- oder ob ein geplanter Schutzpunkt tatsächlich rechtzeitig erreichbar ist.
Deshalb muss ein Trainingsplan situativ anpassbar bleiben.
Aus geplanten vier Stunden können beispielsweise zwei werden.
Eine Einheit kann früher beginnen.
Die Route kann verändert werden.
Oder das Training kann auf einen anderen Tag verschoben werden.
Das ist kein Trainingsversagen.
Es ist Belastungs- und Risikomanagement.
19. Erste Hilfe nach einem Blitzunfall
Blitzverletzungen können unter anderem Herz-Kreislauf- und Atemstillstand sowie neurologische und weitere schwere Verletzungen verursachen. Die medizinische Literatur beschreibt deshalb die Bedeutung einer unverzüglichen Notfallversorgung. [8,9]
Wichtig ist außerdem:
Eine vom Blitz getroffene Person ist anschließend nicht elektrisch „geladen“ und kann berührt und versorgt werden.
Bei Bewusstlosigkeit beziehungsweise fehlender normaler Atmung gelten die allgemeinen Regeln der Ersten Hilfe:
- Notruf 112,
- Atmung prüfen,
- bei fehlender normaler Atmung unverzüglich mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen,
- und Maßnahmen bis zur Übernahme durch den Rettungsdienst fortführen.
Der VDE weist ebenfalls auf die Bedeutung einer sofort beginnenden Ersten Hilfe und gegebenenfalls Herz-Lungen-Wiederbelebung hin. [3]
Fazit
Gewitter beim Langstreckenwandern sind kein Grund für Panik.
Sie sind aber ein guter Grund für vorausschauendes Risikomanagement.
Die wichtigsten Prinzipien sind:
Wetter vor dem Start prüfen.
Bei Gewitterneigung früh und defensiv planen.
Ausstiegs- und Schutzmöglichkeiten bereits vor der Tour kennen.
Bei hörbarem Donner nicht auf eine vermeintlich sichere Sekundenmarke warten.
Exponierte Bereiche, einzelne Bäume und Waldränder meiden.
Wenn möglich ein geeignetes Gebäude oder geschlossenes Fahrzeug aufsuchen.
Nach dem letzten Donner ausreichend lange warten.
Und vor allem:
Kein Trainingskilometer ist so wichtig, dass dafür ein vermeidbares Unwetterrisiko eingegangen werden sollte.
Ein guter Trainingsplan hilft dir, leistungsfähiger zu werden.
Eine gute Entscheidung hilft dir, sicher wieder nach Hause zu kommen.
Wissenschaftliche und fachliche Einordnung
Für dieses Thema muss „evidenzbasiert“ anders verstanden werden als beispielsweise bei Trainingsvolumen oder Krafttraining.
Randomisierte kontrollierte Studien, in denen Menschen gezielt einem Blitzschlagrisiko ausgesetzt werden, wären selbstverständlich weder möglich noch ethisch vertretbar.
Die Evidenzbasis besteht daher insbesondere aus:
- physikalisch-technischen Erkenntnissen zur Blitzentstehung und Blitzwirkung,
- Unfall- und Beobachtungsdaten,
- medizinischen Fallserien und Reviews zu Blitzverletzungen,
- Expertenguidelines zur Wilderness- und Notfallmedizin
- sowie offiziellen Sicherheits- und Warnempfehlungen von DWD, BBK, VDE und DAV.
Die praktische Tourenempfehlung für Langstreckenwanderer ist deshalb am treffendsten als
wissenschaftlich und fachlich quellenbasiert beziehungsweise evidenzinformiert
zu bezeichnen.
Nicht jede konkrete Handlungsempfehlung wurde in einer kontrollierten Wanderstudie experimentell geprüft.
Quellen und Literatur
[1] Deutscher Wetterdienst (DWD).
Warnlagebericht für Nordrhein-Westfalen.
Stand: 15.08.2026, 07:00 Uhr.
Amtliche meteorologische Warn- und Lageinformation.
[2] Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).
Vorsorge und Handeln bei Sturm, Gewitter und Hagel.
Offizielle Sicherheitsempfehlungen des Bundes.
[3] Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. (VDE), Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung.
Wie schütze ich mich vor Blitzen im Freien, in der Freizeit, beim Sport?
Fachinformationen zu Blitzschutz, Gefährdungsbeurteilung und Verhalten bei Gewitter.
[4] Deutscher Alpenverein (DAV) (2026).
Unwetter im Gebirge: Das musst du wissen.
DAV Onlineredaktion, 02.06.2026.
[5] Deutscher Alpenverein (DAV) (2023).
Gewitter in der Nähe.
BergwanderCheck / Tourenplanung, 23.06.2023.
[6] Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).
Warn-App NINA.
Offizielle Informationen zu Warnmeldungen, DWD-Wetterwarnungen und standortbezogenen Warnfunktionen.
[7] Ströhle M, Wallner B, Lanthaler M, Rauch S, Brugger H, Paal P. (2018).
Lightning accidents in the Austrian Alps – a 10-year retrospective nationwide analysis.
Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Medicine, 26, 74.
DOI: 10.1186/s13049-018-0543-9
PMID: 30201016
[8] van Ruler R, Eikendal T, Kooij FO, Tan ECTH. (2022).
A shocking injury: A clinical review of lightning injuries highlighting pitfalls and a treatment protocol.
Injury, 53(10), 3070–3077.
DOI: 10.1016/j.injury.2022.08.024
PMID: 36038387
[9] Ritenour AE, Morton MJ, McManus JG, Barillo DJ, Cancio LC. (2008).
Lightning injury: a review.
Burns, 34(5), 585–594.
DOI: 10.1016/j.burns.2007.11.006
PMID: 18395987
[10] Davis C, Engeln A, Johnson EL et al. (2014).
Wilderness Medical Society practice guidelines for the prevention and treatment of lightning injuries: 2014 update.
Wilderness & Environmental Medicine, 25(4 Suppl), S86–S95.
DOI: 10.1016/j.wem.2014.08.011
PMID: 25498265
Hinweis
Dieser Beitrag vermittelt allgemeine Informationen zu Wetter-, Touren- und Trainingssicherheit. Er kann die aktuelle amtliche Wetter- und Warnlage sowie eine situationsbezogene Gefahrenbeurteilung vor Ort nicht ersetzen.
Bei einer akuten Gefahrensituation oder einem medizinischen Notfall gilt in Deutschland der Notruf 112.
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